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las Ganze erkalten laßt, was durch Wassergicßen beschleuniget wer-
den kann; hierauf wird die Arbeit wieder vom Neuen begonnen.
Bisweilen tann das Zernciden des Schwallbodens auch spater
eintreten, nachdem der Frischbcden (d. i. die erste oder unterste Vil-
dung des Tachels) schon angesetzt war. Man erkennt dieses in einem
auffallende» Tiefersinken des Frischbodcns mit gleichzeitigem Einstel-
len großer Schlackenmengen, indem der aufgelöste Schwall als gaarc
Schlacke über den Frischboden tritt, mithin ein sehr schlackiger Gang
sich einstellt- Wird dieses Gebrechen gleich im Entstehen erkannt,
so ist es durch die vorhin bezeichneten Hülfsmittel gegen das Zer-
treiben dls Schwallbedens leicht;« beheben; Übersicht man es aber,
so tritt ebenfalls das weiche Durchzerrcnncn ein, indem der Frisch-
doden von unten aufgefressen, aufgelöst wird. Unkundige Frischer
verwechseln diese Erscheinung mit Rohgang, von welchem sie aber
wesentlich verschieden ist; denn tic hierbei vorhandene Frischschlacke
ist von sehr gaarer Natur, und das noch unaufgclist verbliebene
Schmelzgut ist gleichfalls von sehr gaarcr, zum Faulbruch geneig-
ter Beschaffenheit. — Geschieht das Einschmelzen des Roheisens zu
früh oder ;u rasch, so gelangt es in einem völlig tünnfiüssigen, ro<
hen Zustande auf den Schwallbcdcn, und zwar in einem um so
hohern Grade, je rohschmelzcnder oder schwerfrischender eS an und
für sich ist. Dadurch wird der Schwallboden ingleichen stark ange-
griffen, eine rohe Schlacke und ein roher tief liegender Frischboden,
kurz ein förmlicher Rohgang gebildet, welchem durch die im Z. 82
angeführten Mittel begegnet werden muß, und worauf wir noch
weitläufiger zurückkommen werden. Versäumt man dem Niedersin-
ken des Frisch- oder Schwallbedcns bei einem Nohgange in Zeiten
zu begegnen, so kann sich abermals ein völliges Auflösen des Schwall-
bodens einstellen, und diese Erscheinung wird das Durchzerren-
ncn schlechtweg» oder zur richtigeren Unterscheidung von dem wei-
chen Durchzerrennen, sollte es das rohe Durchzerrmnen genannt
werden. Diese Erscheinung ist unseren Frischern allenthalben be-
kannt, denn es ist dieses der gewöhnliche Feind, gegen den getämpft
werden muß, bei der Löscharbeit wie bei der Schwallarbcit.
Aus allem diesem ist klar zu entnehmen, daß tie richtige Be-
handlung des Schwallbcdcns viele Ein- und Umsicht fordert, wenn
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen