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Massel einen Kolben herabmschmicden und abzuhauen, welcher in-
zwischen von dem zweiten Schmied am fertigen Ende mit einer
Zange gefaßt, und dann in derselben Hitze ausgereckt wird, nach-
dem zuvor der Massel vom ersten Schmied in einen kleinern Kol-
ben verwandelt worden ist. Durch diese und andere Aushülfe wird
für den 3lusheizpro!,cß an Zeit gewonnen. Auch ist es nur bei zwei
Schmiedcrn möglich, daß die Hitze von dem einen Feuer schon in
Bereitschaft neben dcm Hammer gehalten, wahrend noch die Hitze
vom andern Feuer unter dcm Hammer bearbeitet wird, und derge-
stalt ter Hammer von einer Hitze zur andern oft nicht einen Augen«
blick in Nuhc kommt. Dadurch werden die beiden Feuer beim Ab»
schmieden gegenseitig viel weniger aufgehalten, als wenn bloß Ein
Schmied vorhanden wäre, der überdies wegen zu großer Anstren-
gung kaum im Stande wäre, die vielen Schmiedarbeitcn von bei-
den Feuern zu verschen.
Wenn Gin Schlag zwei Frischfeuer zu bedienen hat, wie die»
ses bei der Hauptgewerkschaft durchweg der Fall ist, muß derselbe
bei einem Gewichte von 500 Pfund und 18 bis 20 Zoll Hub, in
der Minute wenigstens 120 Schlage machen können. Vci den Pri-
vathammcrn in Oesterreich hat Ein Hammer oft nur Ein Frisch-
fcuer zu bedienen, und dabei ist natürlich nur Ein Schmied vor-
handen. In diesem Falle befindet sich dann gewöhnlich neben dem
Frischfeuer ein eigenes, kleineres Wärmfeuer, welches zum Wär«
mcn der Kolben gebraucht wird, die vom Frischfeuer auö erzeugt,
aber nicht sogleich ausgcschmiedet werden; es wird sodann das Kol-
benschmirdcn wahrend des Zerrennens am Flischfcucr vorgenommen.
Allerdings dient diese Einrichtung, besonders wenn Reifeisen, Git-
lcrcisen oder andere lange Stabcisensorten unter dem Frischhammer
erzeugt werden sollen, zur Veförderung der Arbeit im Zcrrennfeucr;
allein da diese Kolben schon vollkommen ausgehciztes Eisen sind,
keine Schweiß- sondern nur Glühhitze noch verlangen, so läßt sich
dieser Zweck durch einen Glühofen, welcher mittelst der Frischfeuer-
überhitze bedient wird, eben so gut wie im Wannefcucr und ohne alles
cigcne Brennmaterial erreichen, was an etlichen Orten wirtlich schon
mit Vorcheil ausgeführt ist.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen