Seite - 355 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
Bild der Seite - 355 -
Text der Seite - 355 -
— 355 —
meister ist; denn man findet nichl selten Hammermeister, die in
der Frischarbeit außer aller Uebung, folglich nicht geeignet sind
einen Frischmeister vorzustellen.
Auf allen halbwegs gut betriebenen Hämmern ist der Zent-
nerlohn eingeführt, d. h. es geschieht die Bezahlung der Arbeiter
nach der Menge der erzeugten Waare, wobei für tas Drahteisen,
bisweilen auch für das Nagcleiscn ein etwas höherer Betrag be-
stimmt ist als für das Zaggeleisen. Vei der Hauptgewerkschaft ist
der Zcntnerlohn für das Drahteisen mit 15 Kreuzer, für das übri-
ge aber mit 12 Kreuzer C. M. festgesetzt; und außerdem erhalten
sie noch (als Entschädigung für die sogenannte Nebertheucrung, die
ihnen nicht bezahlt wird) ?er Zentner 8 Kreuzer Aufzahlung, wenn
bei einfacher Besetzung jeden Wochentag 5 Dachel und Feyerabends
3 gemacht werden, d. h. kein Dachel versäumt wird, sonst aber nur
2 Kreuzer, — eine Anordnung, durch welche man die Arbeiter an-
zueifern trachtet, so viel an ihnen liegt, jede Versäumniß zu besei-
tigen. Nebst diesem Zentncrlohn erhalten die Arbeiter noch das Ge-
treide und die Fettwaren, was ihre Hauptnahrung ausmacht, zu
einem bestimmten unveränderlichen Preise, der ungefähr die Hälfte
von dem ursprünglichen Ankaufspreise beträgt, und zwar der ver<
heirathete Arbeiter mchr als der ledige. Endlich beziehen sie noch
ihre Leihkäufe, die aber nicht beträchtlich sind. Wir wollen dieses
ziemlich verwickelte, und dabei nicht sehr cmpfehlenswerthe Abloh«
nungssystem nicht weiter »erfolgen, obgleich wir von andern Hä,n>
mer« leider keine bessern Methoden aufzuführen haben. Im Gan-
zen mag noch bemerkt werden, daß auf Lohn der unmittelbaren
Hammerarbeircr, alles zu Geld gerechnet, auf den Zentner Erzeu«
gung eines SchwallhammcrS nahe 39 Kreuzer C. M. gerechnet
werden muffen.
Der Zcntnerlohn ist, besonders wenn dabei auf Güte der
Waare Rücksicht genommen wird, jedenfalls etwas Gutes, dem
Wcrksintcresse angemessen. Aber Menge und Güte der Erzeugung
sind nicht die einzigen Interessen des Werkes, sondern Menge deS
Roheisens und der Kohlen, so dazu verwendet wurden, sind von
gleich wichtigem Einflüsse auf das Werkserträgniß, und darauf ist
in obigem Abl-ohnungssosteme keine Rücksicht genommen. Vei vielen
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen