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Privatwerken wird zwar, nach einer alten gesetzlichen Bestimmung,
auf die Menge tcs verwendeten Roheisens durch die Bezahlung dcr
Arbeiter Bedacht genommen, indem die Ueberth cucrung einge-
führt ist, nach welcher jeder Zentner Ncheiscn, den man bei einer
bestimmten Passirung an Eisenabbrand erspart, mit 2 Gulden G. M.
dem Hammcrmeister vergütet wird; allein wenn dabei auf die Menge
des Kohlenverbrandcs keine eben so bestimmte Nücksicht getroffen
ist, kann die Ncbertheuerung dem Werksintcrcffc sogar entgegen
seyn, indem die größere Ilebcrlhcuerung durch einen anßer allem
Verhältniß großem Kohlcnaufwand erzielt wird. An einer bestimm-
ten Kchlenpassirung, an die das Interesse der Arbeiter in vollem
Umfange, wie an Größe und Qualität der Erzeugung und des
Roheisenaufwandes gebunden wäre, mangelt es unseres Wissens zur
Stunde ncch auf allen Werken dcr Vereinsländcr.
Wie wichtig es ist, durch die Bezahlung der Frischarbciter ihr
Interesse mit dem des Werkes auf das Innigste zu verbinden, er-
hellet recht deutlich, wenn man bemerkt, daß bei dcr Frischarbcit
unvermeidlich auf beständigen Fleiß und uncrmüdetc Acht-
samkeit des Arbeiters das Meiste ankömmt, in welcher Beziehung
kein Gcwerk oder Beamter durch seine Aufsicht allein im Stande ist,
die körperliche und geistige Kraft seiner Arbeiter stets in der gehö-
rigen Spannung zu erhalten. Man sollte jedem einzelnen Frischer
nicht bloß das Roheisen und sein daraus erzeugtes ProDuct täglich
vorwägen, sondern auch die Kohlen täglich vermessen, und das Re-
sultat täglich auf eine große Tafel schreiben, damit der Werkcbesitzer,
wie jeder einzelne Arbeiter und jcllr Fremd«', so in das Mrk tritt,
«on den einzelnen Frischern die Arbeit und somit deren Werth be-
urtheilen kann. Alles das wirkt sehr mächtig auf jeden einzelnen
Arbeiter, und treibt ihn durch seine i^cbe zum Erwerb wie durch
seinen Ehrgeiz beständig an, stin Möglichstes in jeder Beziehung zu
leisten. Damit er aber seine Kraft und den möglichsten Fleiß uin
so besser vcrwcnden kann, ohne durch Ncbcrspaninmg )u leiden, so
soll man denselben nicht durch 16, sondern durch ü cder höchstens
12 Stunden ununterbrochen arbeiten, und dann eben so lange ru-
hen lass««.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen