Seite - 359 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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macht man kleinere Dachet, es werden nur 150 bis 200 Pfund Flos-
sen per Dachel zerrcnnt, und deßhalb soll man auch die Hcrdgrude
in der Lcnge und Breite um etliche Zoll kleiner machen, was je-
dock oft unterbleibt. Ferner ertheilt man der Formmündung und
verhaltnißmäßig zugleich der Düscnmündung einen um, 30 bis 4y
Quadratlmien kleinern Querschnitt, gibt der Form l5 bis 17 Grad
Neigung, und läßt sie nur 5 Zoll überliegcn, damit auch die Düse
auf einen 5;ölligcn Abstand der Formmündung genähert werden kann.
Dai Roheisen für die köscharbrit ist »on jenem der Schwall-
arbcit nur in so ferne verschieden, daß es im Ganten von weiche-
rer, leichler frischender Beschaffenheit seyn soll. In der Wirklichkeit
findet jedoch selbst dieser Unterschied oft nicht Statt, weil in den
Flossen, wie sie in Vordernberg erzeugt, und mit denen die meisten
Löschfeuer »ersorgt werden, ein eigentliches Roheisensortiment nicht
vorhanden ist, folglich der Hammergcwert immer erst erwarten muß,
mit welchen Flossen er von den Radgewerken beglückt wird. In der
frühern Zeit haben die Hammergcwcrken allgemein getrachtet, zur
Eisenarbeit »on den weichsten, gekrausten Flossen möglichst viel zu
erhalten, weil die Frischarbeit am Löschboden durch eine entsprechend«
Menge dieser Flossen, gemeinschaftlich mit etwas härtern verarbeitet,
wesentlich befördert wird; allein seit man in Vordcrnberg angefangen
l,at, nicht bloß die reinen Vlauerzc, sondern mit diesen auch etwas
roheie Erze zu verschmelzen, hat man sich auf den Hämmern über-
zeugt, daß von den gekrausten Flossen nicht selten ein merklich roth-
brüchiges Stabeisen erfolgt, wcßhalb tiefe Flossen, so wie des grö-
ßcrn Calo wegen, nicht mehr sehr beliebt sind. Die besten Flossen
zur Orzeugung der weichsten Stabeisensortcn, zu Nagel- und Drahl-
eisen, sind die tleinluckigen Vordernbergcr; zur Darstellung der här-
tern Stabeisensorlen sollen dagegen die großluckigen Flossen die vor«
waltendsten seyn.
Nezüglich der äußern Gestalt der Flossen wie hinsichtlich des
Brennmaterials gilt für die Löscharbcit alles das, was im §. 89
bci der Schwallarbcit angeführt wurde.
H. «VV. Vei dem Zurichten des Herdes vor Veginn einer
neuen Dachelbildung müssen wir den kalten Zustand des Herdes un«
lerscheiden von dem heißen, in welchem letzteren er sich jedesmal
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Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen