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zerschlagene Schwallbrockcn) aufgesetzt. Hierauf wird der ganze Feu»
erraum, so N'eit der erhöhte Löschtranz und die Wolfmauer es ge«
statten, mit Kohlen gefüllt, und bei noch immer geschwächtem Winde
dergestalt der Zerrennprozeß eingeleitet. In diesem Zustande sind
nicht selten über zwei bis drei Vordernbcrgcr Faß Kohlen gleichzei«
tig im Feuer, ein Quantum, welches aufgegeben wird, um die gro-
ßen Flossenbrocken und den darüber befindlichen Zusatz gehörig an«
zuwärmeu, hauptsächlich aber damit der während des Ausheizpro-
zesses sehr angestrengte Heizer nun mehr Ruhe erhält. Daß hierbei
ein« Menge Kohlen umsonst verbrennen, und das dagegen auf den
meisten Orten angewandte Schleedern nur ein sehr unvollkommenes
Schutzmittel ist, unterliegt keinem Zweifel.
Die zuerst eingelegte Flossengarbe hat sich während der zwei«
ten Hälfte des Ausheizprozesscs meist so weit erwärmt, daß in 10
bis 20 Minuten nach beendetem Ausheizen dieselbe anfängt lang-
sam abzutropfen, was man durch deren Vorschieben und Niederlas-
sen auf der einen, und durch ihr Zurückziehen und Aufdrücken auf
der andern Seite zu regulircn im Stande ist, und womit man sich
nach vollendetem Ausheizen nach Beschaffenheit des Schweißbodens
richten muß. Das geschwächte Gebläse wird so lange beibehalten,
bis der Zerrennboden die gehörige Höhe erreicht hat, und sich mit
dem Räumeiscn fest und klebrig anfühlt, mithin die erste Neigung
zur Dünneisenbildung sich kund gibt. Bleibt der Boden nach been-
detem Abschmiedcn zu tief, so wird Sinter abgelassen (was in dieser
Periode sehr gewöhnlich ist, da man beim Ausheizen gern ziemlich
viel ßaft im Feuer hat, und nach dessen Beendigung das Heran-
wachsen des Bodens wünscht), und ein Theil des Zusatzes von dem
Satzbrockcn nach der Mitte des Feuers geschoben, um ihn cinzu-
schmel-.en, wodurch der Noden hoch und gaar, folglich zur Dünn«
eisenbildung geneigt wird. Am öftesten dauert der geschwächte Zu-
stand des Windes nach dem Ausheizen '/< bis ^ Stunde, während
welcher Zeit die zweite Flossengarbe ebenfalls bis nahe zum Ein-
schmelzen erhitzt wird. Visweilen geschieht es jedoch, daß die anhal-
tend tiefe Lage und rohe Beschaffenheit des Bodens erst nach län-
gerer Zeit eine geringe Verstärkung des Windes gestattet, und man
z um vollen Gebrauche des Gebläses durch den ganzen Zerrennprozeß
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen