Seite - 393 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
Bild der Seite - 393 -
Text der Seite - 393 -
— 393 —
eigenen Feuer geschieht. Wir glaubten diese Abänderung der steiri-
schen Frischmcthoden abgesondert und unter einem eigenen Namen
aufführen zu müssen, weil dieselbe in Steiermark von einer nicht
unbeträchtlichen Ausdehnung ist.
Um bei irgend einer Methode der Ginmalschmelzerei den Frisch«
Prozeß ohne vorausgegangenes Aushcizcn zu betreiben, muß zuerst
der Frischboden gebildet werden. Wollte man gleich mit dem Ein-
schmelzen des Ncheiscns beginnen, so würde man einen ganz rohen,
roheisenartigen Voden erhalten, auf dem selbst die Fortsetzung des
Frischprozesses nur bei der größten Vorsicht möglich wäre, durch die
endlich cm gaarer Gang erzielt werden tonnte. Man würde also eine
sehr langsame Arbeit, und dabei doch ein auf der untern Seite ro-
hes Frischgut erhalten. Um den Frischboden zu erhalten, muß der
Prozeß folglich mit dem Einschmelzen gaarer Zuschläge beginnen,
wozu am besten die von dem vorhergehenden Dachel abgefallene
Stockwcich, wo möglich im noch glühenden Zustande verwendet wird.
Dieser Frischbcdcn muß ferner vor dem Veginn des Rohcisenein-
schmelzcns um so mehr Starte erhalten, je mehr Neigung zum
Nohgang das Roheisen hat, und überdies je leichter der Vodeu nach
unten weichen kann. Ei» möglichst weiches, leicht frischendes Roh-
eisen, wenigstens für den Anfang des Frischprozesses, und die Aw
wendung eines Schwallbodens, oder einer fiach liegenden, von unter
kühl gehaltenen Bodenplatte, sind demnach wesentliche Bedingungen,
um mit der Einmalschmelzcrei ohne Aushcizprozeß in leidlich kurze»
Zelt zum Ziele zu gelangen; aber selbst unter diesen günstigen Ver-
hältnissen wird immer noch etwas Zeit, Kohle und auch Eisen verloren
gehen, um das zu erzielen, was sich beim vereinten Ausheizprozesse
durch dessen Vollführung gleichsam von selbst ergibt.
Soll demnach die Wallonarbeit vortheilhaft seyn, so muß irgend
ein anderweitiger Umstand vorhanden seyn, der den angedeuteten Ver-
lust an Zeit, Kohle und Eisen mehr als aufzuwiegen im Stande
ist. Dieser Umstand kann in verschiedenen Dingen begründet seyn.
Man kann vielleicht den Aushcizprozeß auf eine andere, vortheilhaf-
tere Art und Weise auszuführen im Stande s:yn, als dies im Frisch-
feuer möglich ist, und dadurch vorgenannte Verluste wieder mehr
als ersetzt bekommen ; oder man erlangt dadurch bei einer beschränk-
26'
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen