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Der Vrcnnmatcrialaufwand beträgt per lNO Pfund Vrateisen
ungesihr 2 Kubitfuß, wozu jedoch meist Vraschen und Lösche ver»
wendet werten, die bei den gewöhnlich sehr schlechten, unreinen Vau-
erntoblcn ohnehin in solcher Menge abfallen, daß man selbe b>i
dem Frischprozesse nie alle verwenden kann. An Arbeitlohn kann man
auf i!)0 Pfund Vrateisen ungefähr 2 Kreuzer C. M. rechnen.
H.I2V. Die bisherigen Vctrachtungen des Vratprozesses ha-
ben uns turch die Theorie wie durch die praktischen Erfolge gezeigt,
daß diese Vorfrischmethode bei einer Eisenstärke über V« Zoll schon
schwierig, und bei einer Dicke von V« Zoll und darüber füglich gar
nicht mehr anzuwenden ist. Gleichwohl wird dieser Prozeß unter ge»
wissen Umständen auch mit ten bei 2 Zoll dicken Flcssenstücken i»
Anwendung gebracht, bevor selbe durch die Einmalschmel;erei dem
eigentlichen Frischprozesse unterworfen werden. Der Zweck hierbei
ist aber keine eigentliche Verfrischung, sondern bestehet nur mehr
darin, den weißstrahligen Flossen die üble Eigenschaft ihres leich-
ten Abspringens bei etwas rascher Erhitzung zu benehmen. Zugleich
wird jedoch durch den geringen Antheil, welchen die Vrathaut der
Flossen an der ganzen Masse derselben hat, dem Frischprozesse ei»
wenig vorgearbeitet, was hierbei schon genügend ist, da diese Flos«
sen ohnedies keinen großen Kohlengehalt haben, ja bei etwas mehr
Vorsicht auch ohne alles Vraten mit Einer Schmelzung zu »erfri-
schen sind, und in der That oft »erfrischt werden.
Die praktische Ausführung dieses Flossenbratens bietet uns
nichts Neues, da sie ganz wie das Vlattelbraten ausgeführt, und
dabei nur noch mit weniger Umsicht und Vorsicht zu Werte gcgan»
gen wirb, da ein theilweises Flüssigwerden und Abrinnen deS in«
ncrn Kernes bei den dickern und weniger kohlehältigen Stücken kaum
zu besorgen ist. In Neuberg ist lieser Prozeß vor Einführung
der Puddlingarbeit im Großen betrieben worden. Man hat daselbst
den Vestandthellen noch bei oemOlsen zurück, dessen Äbsckeidung wieder nur
durch Verschl«<tung e,ncs entsprechenden Aniheilci <?,s>» geschehen kann;
un» envüch bietet die viele vberftäche der Nlattel dem Wmoe »<el Wcle»
gcnhelt zur Oxydation, wie die auffallen» helle Flamme der Frischfcucr hier-
bei deutlich «nzeigt. Es muß daher viele un» eiscnrciche Frischschl««»« <,l>sal«
len, »ovusch »e» g«ße 8«l» »er»nl«ß» wir»
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Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen