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Hat man es aber mit einem neuen oder «verrichteten Herde
?u thun, so gibt man bei den Vorbereitungen desselben sogleich in
den eigentlichen Herdraum auch etwas Lösche, und mit den ersten
Kohlen gleich mehrere Schaufeln voll zerschlagene Schlackcnstücke,
welche bei dem kalt eingesetzten Roheisen leicht vor dessen Erhitzung
zum Schmelzen gebracht werden können. Ebenso bei der ersten Wo-
chenschicht, wo der Herd bis auf die am Herdboden erstarrte Kruste
von Schlacke gereinigt ist, muß man gleich auf die ersten Kohlen
etliche Schaufeln voll Schlacken aussetzen, und dann im Beginn
der Arbeit die erstarrte Kruste »om Vodcn lösen, wie im Nachfol-
genden erörtert werden soll.
ß. 127 . Das Einschmelzen des Roheisens soll nicht früher
beginnen, bis sich über dem Herdbcdcn eine dünne Schlackentruste
und darüber eine Lage flüssiger Schlacke gebildet hat. Denn würde
das fiüssige Roheisen unmittelbar auf den gußeisernen Herdboden
kommen, so müßte es entweder denselben angreifen, oder, weil er hierzu
gewöhnlich zu kühl seyn wird, es erstarrt das niedcrgeschmolzene Eisen
bei seiner Austage daselbst, und bildet dann eine roh verbliebene
Eiscnsohle. Die erstarrte Ichlackenkruste darf jedoch nicht zu dick
s>",,n, sonst erhalt man einen schlackigen Gang, und in der Folge
löst sich die ganze Kruste zu leicht ab, wodurch zu ihrer neuen
Bildung in einer sehr ungelegenen Zeit ein Aufenthalt in der Ar»
beit entsteht. Dicferwcgen muß der Herdboden vor Ablagerung die-
ser Kruste in einem gewissen Grade erhitzt seyn, und zu dem Ende,
wenn er kalt war, wie bei der ersten Wochenschicht immer der Fall,
muß gleich nach Veginn der Arbeit die ganze Kruste aufgebrochen,
und auf den inzwischen mehr erwärmten Voden noch vor dem Ein»
schmelzen des Roheisens wieder neu gebildet werden.
Das begonnene Einschmelzen des Roheisens soll ziemlich gleich»
mäßig, und mit einer dem Grade der Gaare desselben entsprechen-
den Schnelligkeit geschehen; je rohschmelzigcr es ist, desto langsa-
mer soll eg eingeschmolien werden. Die Negulirung des Einschmel-
zens geschieht mit der kleinen Nennsiange, die nicht unnölyig schwer
und am vordern Ende mit einer ziemlich scharf gehaltenen, stemm»
»iscnartigen Schneide versehen seyn soll, damit man eine leichte Är-
heit und in den Händen ein feines Gefühl hat. Mit dieser Etange
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen