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t,n werden. Bei diesem Aufbrechen wird !>n Wesentlichen wie das
erste Mal verfahren, und ebenso bei den folgenden. Nur kann be-
merkt weiden, daß bei der fortschreitenden Gaare die aufzubrechende
Masse immer mehr Zusammenhang gewinnt, daher trotz aller Mühe,
kleine Vrockcn zu machen, doch immer größere Stücke in die Höhe
kommen, welche, da sie am gaarsten sind, zu oberst geschafft werden
müssen, und um sie daselbst gut zu ordnen, ohne daß sie hoch uor-
stehende Theile bilden, nimmt man den Zerrennhaggen zu Hülfe,
mit dem sie bequem gerückt, und mit der Stange vielleicht nieder-
geschlagen werden. Auch kann man diese mehr zusammenhängende
Masse nicht immer in der früher bezeichneten Ordnung am beste»
aufbrechen, sondern es ist ein Gegenstand der Neberlegung, von
welcher Seile dieselbe am leichtesten gebrochen und gehoben werden
kann. Ein Anfänger plagt sich hierbei oft an einer Stelle, die am
schwierigsten zum Weichen ;u bringen ist, während das Ganze, an
einem andern Orte gepackt, leicht zu brechen oder zu lüften wäre.
So z. V. wird man eine am Fonnzacken und längs des Hinter-
zackcns gebildete Nohsohle unter der Form sehr schwer zum Weichen
bringen, während es an den schwächsten Stellen derselben, d. i. vom
GichNacken aus, ganz leicht erfolgen wird. Dies ist übrigens rein
ein Gegenstand der Uebung, die der Lehrling durchmachen muß, und
wcßhalb er Anfangs sich jedenfalls unnöthig schwer arbeiten wird.
Auf das zweite Aufbrechen folgt ein drittes, oft noch ein vier-
tes, fünftes u. s. w. Nie aber soll man früher zum nächsten Auf-
brechen schreiten, als bis die vorhin bemerkten Zeichen in der auf-
getriebencn Schlacke eintreten; bricht man öfter auf, so wird die Tem-
peratur im Herde zu sehr herabgesetzt, dadurch verliert die Schlacke
an Flüssigkeit, und somit an eigentlichem frischenden Vermögen;
zugleich bleibt sie bei diesem kalten Gange zu sehr mit dem Eisen
vermengt, und man erhält am Ende doch ein kernloses, schwammi-
ges, gleichsam übergaares Eisen. Alle noch roh aussehenden Stücke,
die in der letzter« Zeit, besonders an der Windseite noch öfters zum
Vorscheine kommen, müssen vor den Wind gebracht und dort erhalten
werden, damit sieschnell nochmals niederschmelzen. Am liebsten hat man
ein viermaliges Aufbrechen, bei welchem in der Regel ein vollkom-
men gaares, dabei aber doch festes, körniges Eisen erfolgt. Ein
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Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen