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Sobald das bestimmte Noheiscnquantum, oder soviel davon,
tis die Herdgrube auf 2 bis l Zoll unter der Form gefüllt erscheint,
eingeschmclzen ist, muß das Feuer schnell zu Ende getrieben wer-
den. Ein Nachzerrennen, ein Verkochen des Düuncisens, findet hier-
bei nicht Statt, denn eö darf kein Dünneiscn vorhanden sevn. 3'ee
raschem Einschmelzen bildet sich zwar, besonders gegen Ende des
Zerrcnnens in Folge des hitzigen Ganges bisweilen etwas wildes
Dünneisen, was mit dem feinen nicht zu verwechseln ist; allein
wenn man nicht sehr weiche Flossen hat, durch die man sich ge-
zwungen sieht das Einschmelzen möglichst zu beschleunigen, stellt
sich niemals viel davon ein, und kann durch kalte Flcssenstückchen
cder nasse Schlacke bald behoben werten, oder man gießt bisweilen
selbst durch die Form einige Maß Wasser zur Kühlung inö Feuer, für
leinen Fall aber wird deßhalb am Ende ein Nachblascn nothwendig. Wie
demnack die letzte Flcssciuange aus dem Feuer ist, schürt man schnell
das Feuer etwas zusammen, sticht die Schlacke in die mit Wasser
gefüllte Smtergrubc ab, wirft eine Schaufel voll nasser Schlacke
in den Hnd, und stellt das Gebläse ein. Der Stahldachel wird jedoch
„icht sogleich ausgestochen, sondern man lüftet ih» nur etwas, und
laßt ihn dann V4 bis '/,. Stunde noch in der Grube, damit er sich
langsam etwas abkühle, weil er vermöge seiner rohen Beschaffenheit
in der vollen Zcrrennhitzc unter tcn Hammcrschlägcn zu vielen,
regellosen Slückcn zerfallen würde. Dieses Abkühlen würde zwar
scklicUer erfolgen, wenn man den Tachcl außerhalb der Herlgrube
liegen lassen, oder noch schneller, wenn mau ihn überdies mit Äas-
ser begießen möchte; allein durch dieses rasche Abkühlen würden die
äußern Theile zu kalt werden, während der Kern des Dachcls noch
zu heiß ist. Je roher der Dachcl, nach dem Gange t«r Arbeit zu
urlheilen, ausgefallen ist, desto länger läßt man ihn kühlen.
Nach ausgcstochenem Dachel wird der Herd sogleich auf die
im §. l^6 beschriebene Art und Weise für die nächste Tachelbillung
wieder vorbereitet. Die ganze Zeit von einem Dachel zum andern
beträgt nahe 4 Stunden.
tz. R3V. Nci der hauvtgewerkschaftlichen Methole erscheinen
die ausgestochenen Stahldachcl bis auf die Rcinseite genöhnlich ganz
mit einer dünnen Scliwattkruste überzogen, welche du.-ch das län-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen