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Aus den hauptgcwertschafllichcn Stahlhämmern »erden alle
Massel und Kolben zu den stachen Stangen von vorgenannten Di-
mensionen ausgeschmicdet; auf den gewerkschaftlichen hingegen wer-
den aus jenen Stücken, die nach ihrem Verhalten unter tem Ham-
mer wenig Härte zeigen, je nachdem sie mehr oder weniger weich sind,
Sagbränter oder Vrucheisen (siehe §. 103) geschmiedet, und darauf
schon beim Schrotte« tcs Dachels Rücksicht genommen. Aus dieser
Ursache schadet es bei dem gewerkschaftlichen Verfahren weniger, wenn
öfters cin Dachel zu weich ausfällt.
Behufs des Scrlirens werden die gehärteten Stahlstangen in
einzelne Stücke von beiläufig '/^ bis 2 Fuß Lange abgebrochen,
indem man selbe gegen eine kantige, eiserne Unterlage schlägt, oder
über eine Vertiefung der eisernen Unterlage hält, und mit einem
Handhammer abschlägt. Die nach dem Aussehen des Bruches und
der übrigen Oberfläche unterschiedenen Sorten richten sich ganz nach
tcn Absatzplätzen oder der weitern Verwendung des Rohstahls.
Auf den hauptgewertschaftlichen Hämmern unterscheidet man
gewöhnlich folgende Sorten:
1. Meissclstahl (bisweilen auch Münz-oder Nosenstahl ge>
nannt), Stücke, die meist 4 bis 12 Zoll Länge haben, an
beiden Enden eine vom Eisenschuß vollkommen rein« Bruch-
stäche, muschligen Bruch mit gleichförmigem, mattem Korn
und gewöhnlich eine Rose zeigen. Zugleich muß die Ober-
stäche des Stabes vollkommen ganz, ohne Lasen oder Schalen
seyn. Wird gewöhnlich in Kisten verpackt in den Handel ge-
bracht, und ist von tem ungcgärbten stcirischen Stahl die
theuerste Sorte.
2. Gdel^ahl oder Nohstahl. Gleichfalls Stücke mit reiner
Äruchstäche, '/« bis 2 Fuß Länge; jedoch werten sehr kleine,
weiche Adern oder etwas lichtere Stellen im Bruche mit etwas
Ungänzen oder Schalen an der Oberstäche nichi beachtet.
Diese Sorte wird größtcntheils auf den eigenen Hämmer»
zur Erzeugung der vorzüglicheren Gärbstahlsorten, wie des Schar-
sachstahles, verwendet; nur ausnahmsweise wird er an tie Scn-
scnschmiede verkauft. Wenn für den Mcisselstahl nicht Absatz
wäre, würde man ihn unter dem Edelstahl belassen.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen