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Da wir den Hartzcrrennprozeß bereits kennen, genügt hier
die Vemeitung, daß zum eigentlichen Stahlfrischprozesse der kärntneri-
schen Methode Haitzerrcnnböden, und weiße, frische Hohofenblattel
verwendet werden, und das Brennmaterial fast ohne Ausnahme in
Fichten-, Tannen- und etwas Lärchentohlen bestehet.
ß. R42. Wenn das Feuer neu zugestellt, oder durch irgend
einen Nnfall der Löschboden zu Grunde gegangen ist, muß mit der
Herstellung les Löschbodens die Vorbereitung des Herdes begonnen
werden. Auf die Anfertigung des Löschbodens muß die größte Sorg»
fall verwendet werden, weil der gute Verlauf des Stahlfrischens von
der Haltbarkeit dieses Bodens gar sehr abhängig ist. Abgesehen von
der entsprechenden Höhenlage muß dieser Boden aus alter, mit Asche
und Schlacke gemengter Löscht zu einer solchen Festigkeit gestaucht wer-
den, daß man mit dem Finger selbst bei einiger Mühe ihn durchzu-
bohren nicht im Stande ist, und auch mit einem spitzen Eisen na,N'
haften Widerstand findet. Zu dem Ende gibt man einen Korb voll
Kohlen in die leere Herdgrubc, entzündet sie, und läßt sie auf ungefähr
das halbe Volumen zusammenbrenncn, wodurch die neue Grube zu-
gleich ausgetrocknet wird, und dann staucht man die noch glühenden
Kohlen mit der erzeugten Asche fest zusammen. Hiernach zieht man
ein» etwa 1'/« Zoll hohe Lage durchgcreuterter und schon gebrauchter
(sogenannter Blase-) Lösche darüber, und darauf macht man wieder
eine Kohlenglut, tie man nach Verlauf von etlichen Stunden aber-
mals zusammenstaucht, worauf wieder eine Lage Vlaselösche eingezo^
gen, und abermals eine Kohlcnglut darüber gebracht und diese wieder
zusammengestaucht wird u. s. f., bis der Löschboden eine Höhe von 7
Zoll unter der Form erreicht hat. Bei dem jedesmaligen Stauchen wird
die Löschlagt um beiläufig 1 Zoll höher, und jedesmal pstegt man mit
eil-c» 100 Schlägen zu stauchen. Hätte man keine alte Lösche zu Ge-
bote, so müßte derganze Löschboden lagenweise aus halbverbraunten Koh-
len gestauchet weiden; ist aber, wie gewöhnlich, an Vlaselösche kein
Mangel, so kann man aus ökonomischen Rücksichten die noch vorhan-
dene Kohlenglut vor dem Stauchen herausfasscn, und nach eingezo-
gener Löschlagc wieder darüber geben, bloß den Abgang durch frische
Kohlen ersehen. Nur durch dieses viele Stauchen, in dünnen Lagen
und im glühenden Zustande der mit Asche und Schlacke gemengten
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen