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abgeheizten Tculen und Zuschlägen gekommen, so bleibt für die
zweite Cotta, nach dem Aufbrechen der ersten, bei 60 Pfund Sauer
in der Grube, und ebenso nach dem Ausnehmen der zweiten Gott«
bei 4v Pfund für die dritte. Mehr als drei Cotta weiden in der
Regel nicht, oft nur zwei hinter einander gemacht. Scllte nach
ausgenommcner Cotta zu wenig Sauer in der Grube bleiben, was
nur bci etwas zu weichem Gange der Arbeit eintritt, dann kann
man denselben durch baldige Vlattelaufgabe wieder vermehren; wäre
er aber ganz verkocht, oder erstarrt aus der Grube mit der Coita
gehoben worden, dann müßte wie zu Anfange der Schicht für die
nächste Cotta vorerst ein entsprechendes Quantum Roheisen zum
Sauer eingcschmclzen, und dieser später wieder aufgerichtet werden.
Für gewöhnlich jedoch, wie bemerkt, ist dieser Umweg nicht nöthig,
sondern nach ausgcbrcchener Cotta wird der rückgeblicbene Sauer
in vorgeschriebener Weise aufgerichtet, Vlaselösche eingestreut, etwas
weniges Sinter von der zuletzt abgestochenen nebst Kohlen aufgege«
ben, und das Gebläse wieder in Thätigkeit gesetzt.
Den Sauer von der letzten Cotta in der Schicht macht man
von den Rändern nach der Mitte zusammen, staucht ihn so viel, daß
die einzelnen Theile zusammenhaften, läßt ihn bis zum Starrwer«
den in der Grube, und hebt ihn dann als Kochboden heraus. Hier«
auf wird von der zuletzt ausgefaßten noch glühenden Vlaselische so
viel in die Gtube gereutert, als zur Erzielung der gewünschten Höh«
tes Löschbcdens erforderlich scheint, welcher sofort festgestaucht wird.
In diesem Zustande wäre der köschboden für die nächste Schicht
schon wieder bereitet; allein Tag- und Nachtarbeit ist auf den kärnt-
nerischen Stahlhämmern nicht üblich, sondern vor Beginn der näch-
sten Schicht folgt eine ungefähr 6 bis 8 Stunden lange Ruhe.
und damit die Grube während dieser Zeit nicht zu kalt wird, gibt
man nach vollbrachtem Stauchen einige große Kohlenstücke hinein,
die durch mehrere Stunden hindurch fortglimmcn. Vei Beginn dcr
nächsten Schicht wird ter Boden wieder gestaucht. Wenn wie ge-
wöhnlich das Haitzerrennen auf dem Stahlfcuer selbst vorgenommen
n»ud, so geschieht dieses gleich nach der letzten Cotta in der Schicht,
wie schon im §. 141 bemerkt wurde. Bei vollbrachtem Hartzer-
l»nnen hebt man den letzten Boden nicht sogleich aus der Grube,
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen