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guter Arbeit reiner Stahl, das übrige wird mehr oder wenig« eisen«
schüßig seyn. Der kärntnerische Nohstahl ist im Allgemeinen härter,
gleichförmiger als der steirische.
ß. l 4 t t . Veycr wir unsere Betrachtungen des kärntnerischen
Stahlfrifchens verlassen, noch einige Worte über die Erzeugung des
sogenannten Kistenstahles eder Vrcscianer Stahles,der auf
vielen kärntnerischen Stahlhämmern daS Hauptproduct ist, wornach
öfters die ganze Slahlarbeit die Vrcscianer Stahlfrischmethode ge-
nannt wird.
Wie wir bereits wissen, wird der Vrescianer Stahl aus den
beim Stahlfrifchfeuer erzeugten Kölbchen geschmiedet, welche zu dem
Ende nur eine starte Rothglühhitze erhalten, die ihnen am billig-
sten und bequemsten in einem Vorglühhcrde, außerdem aber in
eigenen Wärmfeucrn ertheilt wird. Ein solches Wärmfeuer wird
Ziehfcucr genannt, und weicht von einem gewöhnlichen Wärm-
feuer nur darin ab, daß beiderseits der Formmündung zwei Guß-
eisenplatten von 2 Fuß Länge, 1 Fuß Vreite und ein Paar Zoll Dicke bis
zur Höhe des obern Formrandes eingesetzt sind, wodurch eine 3 bis
4 Zoll Vreite und 2 Fuß lange Windgassc gebildet wird, die man vor
dem Einlegen der Kölbchen mit Kohlen füllt. Die Kölbchen wer»
den quer über diese Windgaffe gelegt, ungefähr 150 Pfund auf
einmal, was eine G aleia heißt, und mit Kohlen überschüttet. Man
gibt nur einen sehr schwachen Windstrom durch die kreisrunde, 1'/«
Zoll weite und etwas geneigte Form, und es dauert '/« bis '/,
Stund, ehe die Galcia heiß wird.
Das Ausschmieden der Kölbchcn geschieht untlr einem bci i'/»
bis 2 Zentner schweren Zieh Hammer, welcher von einem gewöhn-
lichen Streckhammer nur dadurch verschieden ist, daß er mehr iM
Spitz geht (siehe Seite 123); er hat selten über 10 Zoll Hub, macht
aber in der Minute über 200 Schläge. Aller Nrescianer Stahl
wird zu quadratischen Stäben von V« bis '/4 Z°N Stärke ausge«
reckt und darnach in Nummern : 00, 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 unv
8 eingetheilt. Die Länge der einzelnen Stäbe nach der Schmiedung
soll 4 bis 5 Fuß seyn, für jeden Fall muß nach vollbrachter Schmie-
dung der Stab nach seiner ganzen Länge noch sichtliche Glühhitze
haben, damit er gleich vom Hammer weg sich im Härtentrog noch
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen