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gehörig härten kann. Aber so feine Stäbchen, wie Nr. 0 und Nr. VN
(Doppelnull) sind, könnten nach gewöhnlicher Art für keinen Fall,
lind selbst die übrigen feinern Sorten kaum darnach ausgereckt wer«
den, indem der bei <^/„ Zentner schwere Ziehhammcr so fein ge«
schmiedete Wellen nothwendig zerschlagen müßte. Man kann daher
die Kölbchen nur wenig seitwärts zur Welle ausrecken, die meiste
Schmiedung muß von vorne durch schlichtweiscs Verfahren, welches
man ziehen nennt, vollbracht werden; damit dcr Hammer hierbei
aber nicht mit seiner ganzen Vahnlänge aufschlägt, läßt man ihn
ziemlich stark im Spitz gehen, und zwar um so mehr, je gröbere
Sorten man auszuziehen hat. Vei diesem Ziehen muß das Kölb-
chen oder der Stab mit der Schmiedezange fortwährend nach einer
Seite übergedieht, und nebstbei aus- und eingezogen werden, und
damit dieses beständige Wenden des Stabes bei dem schnellen Gange
des Hammels ohne Gefahr über den Amboß zu fallen geschehen
tann, ist hinter dem Amboß ein Wehrstift eingeschlagen, an wel«
chem dcr Stab anzuliegen kömmt. Ist der Stab so lange ausgezo-
gen, daß das zuerst ausgezogene Ende kaum mehr rothglühcnd er-
scheint, so läßt dcr Zieher an derselben Längenstelle mehrere Schläge
folgen, wodurch der Stab daselbst uom Hammerspitz dünner auS-
.geschlagen, dann leicht abgebogen, in den Härtentrog geschleudert,
und an dcr abgebogenen dünnern Stelle dann abgebrochen wird.
Das vom ausgezogenen Etabe abgebrochene Kölbchcn wird sogleich
zum Ziehfeuer zurückgebracht, und zwar über den hintern Theil
der Zichgasse gelegt, von wo aus die Kölbchen in dem Maße gegen
die Form hin nachgerückt werden, als die erhitzten vorne heraus-
kommen. Auf diese Art wird ein Kölbchen mehrmals ins Zichfeuer
zurückgebracht, bis es endlich so klein geworden ist, um es dann
zu Einem Stäbe ganz ausziehen zu können.
So lange ei» Kölbchen im Ziehfeuer zurückbleibt, befindet sich
der Ziehhammer ununterbrochen in vollem Gange, indem gleichzei-
tig mit der Entfernung des ausgezogenen Stabes vom zweiten Ar-
beiter, dem Ziehheizer, das nächste Kölbchen unter den Hammer
gebracht wird. Die ganze Dauer des Ausziehens einer Galeia ist
1 dis 1' / , Stund, je nach der Feinheit der Nummern.
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen