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Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
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89 An der Leuphana bekam ich 2014/15 die Gelegenheit, am interfakultĂ€- ren Methodenzentrum mitzuarbeiten. Studierende und Forschende, die inter- und transdisziplinĂ€re PhĂ€nomene und Problemfelder bearbeiteten, fanden hier Beratung. Im Bereich inter-, trans- und undisziplinierter Methodenlehre ergab sich fĂŒr mich ein Dazwischen als Arbeitsplatz, das scheinbar unĂŒber- windliche Antagonismen bereithielt: die Unvereinbarkeit von subjektivisti- schen und objektivistischen Erkenntnisweisen, die analytische Trennung von Symbolischem und Materiellem, von Theorie und Empirie, von Struktur und Akteur_in, von Mikro- und Makroebene (Bourdieu/Wacquant 2006: 19). Die Mitarbeiter_innen am Methodenzentrum waren an jeweils verschiedenen FakultĂ€ten ihrem eigenen disziplinĂ€ren Hintergrund entsprechend assoziiert und hatten die Aufgabe, Methodenberatung fĂŒr inter- und transdisziplinĂ€re ForschungszusammenhĂ€nge anzubieten. Hierbei galt es, ĂŒber die eigenen erkenntnistheoretischen Grenzen hinauszublicken und diese auch zu ĂŒber- schreiten. Gemeinsam mit den Forschenden, die sich ans Methodenzentrum wendeten, wurden dem jeweiligen Forschungskontext entsprechend Erkennt- nistheorien und vorhandenes Methodenrepertoire verknĂŒpft. Immer wieder bestand die Herausforderung darin, einen methodologischen Rahmen zu finden, der jenseits seiner disziplinĂ€ren Verfasstheit bestehen konnte. Im Rah- men meiner TĂ€tigkeit am Methodenzentrum konnte ich bei diversen Lehrfor- maten mitwirken, die sich der undisziplinierten Methodenlehre verschrieben hatten. Es ging fĂŒr die Studierenden in diesen forschenden Lehrformaten weniger darum, ein umfassendes MethodenverstĂ€ndnis zu erlangen, als eine gewisse Vorstufe auf dem Weg dorthin zu erreichen. In ihrer Auseinander- setzung mit fotografischer Praxis, den eigenen Bildern und jenen der Anderen, erarbeiteten sie sich eine forschende Haltung, die sie zur Methodenreflexion auf allgemeiner Ebene veranlasste, zu Fragen wie: Welche Rolle dĂŒrfen meine GefĂŒhle fĂŒr mich als Forscher_in spielen? Was sind Kriterien, um Nach vollzieh- barkeit herzustellen? Was bewirkt meine Methode außerhalb des angestrebten Erkenntnisgewinns? Welche ethischen Aspekte mĂŒssen beachtet werden? Was sind QualitĂ€tsmerkmale einer Methode? Worin bestehen Grenzen? Die ZwischenrĂ€ume beim undisziplinierten Studieren und Lehren sind vielfĂ€ltig und herausfordernd und stellen fĂŒr mich einen interessanten Arbeitsplatz dar. Es prallen verschiedene Wissenschaftstraditionen, Erkennt- nistheorien — und damit auch widersprĂŒchliche Narrative — aufeinander, was diesen Arbeitsplatz zu einem politischen Terrain macht. Über die vielfĂ€lti- gen Herausforderungen in Hinblick auf die undisziplinierte Methodenlehre konnte ich in einem der inter- und transdisziplinĂ€ren WerkstattgesprĂ€che mit anderen Lehrenden nachdenken und diskutieren. Dabei kristallisierten sich einzelne Ideen, Elemente und Empfehlungen heraus, die meiner Ansicht nach fĂŒr die Konzeption und Umsetzung von inter- und transdisziplinierten Lehr- formaten zentral sind. Es handelt sich hier um ein Ermöglichen von Wechsel- spielen auf mehreren Ebenen: Zwischen Methode, Methodologie und Erkenntnistheorie: Ein iterati- ves Wandern zwischen konkreten und abstrakten Ebenen, in wechseln- der Auseinandersetzung mit Details und einem ganzheitlichen Blick sollte einem linearen Fortschreiten gegenĂŒber bevorzugt werden.
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Generative Bildarbeit Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Titel
Generative Bildarbeit
Untertitel
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Autor
Vera Brandner
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-5008-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
276
Schlagwörter
Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, SituationalitÀt, ReflexivitÀt
Kategorie
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