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Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
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123 visuellen Methoden finden sich auch einige Beispiele für sehr konkrete For- men, einen fotografischen Prozess zu initiieren. So beschreibt Ulf Wuggenig (1991), wie im Rahmen einer Fotobefragung zum Thema „Wohnsituationen“ die Teilnehmer_innen eingeladen wurden, einen fotografischen Beitrag für einen Bildband zu leisten. Dazu erhielten sie eine sehr konkrete Anleitung: „Was gefällt Ihnen in Ihrem eigenen Zimmer und in der Wohnung (Haus) am besten? Was gefällt Ihnen in ihrem eigenen Zimmer und in der Wohnung (Haus) am wenigsten? Bitte photographieren Sie zunächst die drei Motive, die Ihnen in Ihrem Zimmer am besten gefal- len, dann die drei, die Ihnen am wenigsten gefallen. Dann führen Sie das Gleiche bitte für die übrige Wohnung durch.“ (ebd.: 116) Bei diesem Beispiel handelt es sich weniger um einen Impuls, als um eine Anleitung, die auf ein spezielles Erkenntnisinteresse im Forschungsprozess ausgerichtet ist. Die Projektleiter_innen können anhand einer solchen Anlei- tung sicherstellen, dass die Teilnehmer_innen Bilder von ihrer Wohnsituation machen. Der Gestaltungsspielraum der Teilnehmer_innen ist jedoch insofern eingeschränkt, als dass sie keine Bilder machen sollen, die ihre Wohnsituation thematisieren, ohne den konkreten Wohnraum zu zeigen. Mit dem Verweis auf den Bildband wird zudem eine gewisse Erwartungshaltung vermittelt, was motivierend, aber auch hemmend wirken kann. Ganz anders und weitaus offener wird dagegen im Bereich der Photo- voice-Methode gearbeitet. So wurde etwa in einem partizipativen Forschungs- projekt zu den Gesundheits- und Lebensbedingungen von obdachlosen Menschen der Impuls im Rahmen eines einführenden Workshops gesetzt, in dem Kameratechnik, ethische Fragen sowie Machtverhältnisse in Zusammen- hang mit Fotografie thematisiert wurden. (Wang et al. 2000). Als Anregung zum selbstständigen Fotografieren zeigte man den Teilnehmer_innen Bilder, auf denen verschiedene Ansichten ihres Stadtteils, in dem sie als Obdachlose lebten, zu sehen waren (ebd.: 84). Anschließend wurden die Bilder in der Gruppe gemeinsam diskutiert. Der Impuls wurde in diesem Fall durch beste- hendes Bildmaterial und die gemeinsame Diskussion gesetzt. Was die Teil- nehmer_in nen anhand des Impulses fotografierten, konnte in geringem Maß von den Projektleiter_innen gesteuert werden. Im Rahmen Generativer Bildarbeit wird die Impulssetzung unabhängig vom Grad der thematischen Offenheit in zwei Schritten empfohlen: Zuerst werden die Teilnehmer_innen eingeladen, etwas Eigenes, einen Teil ihres Selbstbildes in den Prozess einzubringen. Danach werden die Teilnehmer_in - nen angeleitet, sich im Gruppenprozess mit den Anderen wechselseitig aus- zutauschen. Die Varianten für das Einbringen des Eigenen und den Austausch mit den Anderen unterscheiden sich voneinander vor allem durch ihren unter- schiedlichen interaktiven Gehalt und den zeitlichen Aufwand. Ich stelle in der Folge methodische Varianten vor, die sich in ipsum-Projekten und meinen Fallstudien als sinnvoll erwiesen haben und gut miteinander kombinierbar sind. Die vorgeschlagenen Varianten sind als Beispiele zu verstehen. Es gibt eine Vielzahl weiterer Varianten, die dem jeweiligen Kontext entsprechend angepasst werden können.
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Generative Bildarbeit Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Titel
Generative Bildarbeit
Untertitel
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Autor
Vera Brandner
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-5008-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
276
Schlagwörter
Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
Kategorie
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