Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Medien
Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Seite - 149 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 149 - in Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis

Bild der Seite - 149 -

Bild der Seite - 149 - in Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis

Text der Seite - 149 -

149 sein muss (ESRC 2006: 1). Diese Forderung bedeutete im konkreten Fall von visuellem Material, dass man beispielsweise alle Menschen, die auf Fotos erkennbar waren, unkenntlich machen musste. In der Version von 2010 hat das ESRC jedoch diese sehr starre Richtlinie gelockert, womit auf die Kritik von visuellen Forscher_innen reagierte wurde, die argumentieren, dass das Anonymisieren nicht in allen Fällen als ethisch korrektes Verfahren gelten könne (Chaplin 2004; Harper 2005; Holliday 2007; Pink 2007; Wiles et al 2008). “To put it bluntly, it is often impossible, impractical, or even illogical to maintain the anonymity and confidentiality of individuals in art- work, photographs and film. Visual methods are often justified on the grounds that they can reveal information that text-based methods can- not, enable participants to present particular aspects of their identities, and have a broad appeal as aesthetic cultural artefacts.” (Clark 2012: 21) Im IVSA Code of Research Ethics (Papademas and IVSA 2009: 254) wird dementsprechend angemerkt, dass es in manchen Situationen nicht notwen- dig ist, die Teilnehmer_innen eines Projekts zu anonymisieren. Dazu zählen Gemeinschaftsforschung, partizipative Forschung und individuelle Fallstudien (Rose 2012: 338). Jedoch gilt es, für jeden konkreten Fall zu begründen, warum keine Anonymisierung vorgenommen wurde. Hier muss unbedingt berück- sichtigt werden, dass die Teilnehmer_innen sich durch ihre fotografische Praxis selbst in den Prozess einbringen und Aspekte ihres je eigenen Weltverstehens offenbaren, die durch das visuelle Material zum Ausdruck kommen. Unter Umständen kann eine generelle Anonymisierung aller, die beim Arbeiten mit visuellen Methoden und Materialien beteiligt sind, sogar zur Verletzung von ethischen Grundsätzen führen — dann nämlich, wenn den Teilnehmer_innen ihre Autor_innenschaft nicht zuerkannt wird. Damit werden die Akteur_innen zu Gestalter_innen des Prozesses, wodurch das Material (Fotos, Filme) genuin mit ihnen verbunden ist. Hinzu kommt, dass durch Pixelierung oder andere Verwischungstech- niken oder auch durch Anonymisierung der Autor_innenschaft die fotogra- fischen Werke an ästhetischem, informativem und persönlichem Charakter verlieren (Wiles et al. 2008). Die Eigenlogik, die Aussagekraft und damit auch der Wert eines Bildes verändern sich mit jedem Eingriff. Bei Verfahren, in denen Menschen durch Pixelierung, Verwischung oder schwarze Balken unkenntlich gemacht werden, sollte man die weitere Wirkkraft solcher Methoden in der Wahrnehmung mitbedenken. Bilder werden dadurch in ihrer ursprünglichen Aussage verändert, Wahrnehmungsmuster können die Aussage überlagern, die der_die Autor_in mit einem Bild machen wollte. Zum Beispiel: Zeigt ein Foto Menschen bei einer Tätigkeit bzw. Interaktion, so kann dasselbe Foto mit Pixelierung oder Balken oft als Abbildung krimineller Personen wahrgenom- men werden (Clark 2012: 22). Mit der Frage der Anonymisierug geht auch die Frage nach der reflexiven Gestaltung der Beziehung zwischen Forscher_innen und Teilnehmer_innen einher. Ruth Holliday betitelt ihren Beitrag in einem Sammelband von Caroline Knowles und Paul Sweetman (2004) zu visueller Methodologie mit Reflecting the Self (Holliday 2004). Darin erläutert sie, unter Verwendung poststrukturalistischer und feministischer Argumentationen,
zurück zum  Buch Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis"
Generative Bildarbeit Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Titel
Generative Bildarbeit
Untertitel
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Autor
Vera Brandner
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-5008-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
276
Schlagwörter
Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
Kategorie
Medien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Generative Bildarbeit