Seite - 150 - in Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Bild der Seite - 150 -
Text der Seite - 150 -
150
wie und in welchen Zusammenhängen identifizierbare Bilder ein stärkeres
ethisches Potential haben als anonymisierte Bilder (Rose 2012: 338). Die Bezie-
hung zwischen allen Beteiligten eines Forschungsprojektes sollte ihrer Argu-
mentation nach von Reflexivität geprägt sein. Dies bedeutet zum einen, dass
selbstreflexive wie auch wechselseitig reflexive Prozesse gefördert werden
müssen (Holliday 2004: 55–56). Jedoch können, so Holliday, die unterschied-
lichen Ebenen des Selbst erst durch das persönliche und identifizierbare
visuelle Material zum Ausdruck gebracht werden. Sie bezieht sich auf ihre
Erfahrungen in der Arbeit mit VideotagebĂĽchern, wenn sie schreibt:
“However, in presenting the visual component of my study on sexuality
through the video-diary material I collected, my reflexivity has been
challenged a number of times by members of the audience who refer
back to the diarists’ statements. Thus, the diarists’s selves and their
reflections seem to be much more present within the authorial text
which I have constructed through video than if I were simply reciting
their accounts in my own words.” (ebd.: 60)
Ob und wie die Autor_innenschaft anonymisiert und damit die Verbindung
zwischen einem Menschen und seinem Werk unkenntlich gemacht wird und
inwiefern das Material dadurch an Gehalt verliert, sollte in solchen Fällen
mit den Teilnehmer_innen persönlich ausgehandelt werden. Die Projektleiter_
in nen müssen jedenfalls für beides, die Veröffentlichung wie die Anonymisie-
rung von unverändertem, visuellem Material, die Zustimmung der Teilnehmer_
in
nen erhalten.
Copyright und Creative Commons
Die Fragen zur Anonymisierung und Sicherheit gehen Hand in Hand mit den
Fragen zu Eigentum und Verwendungsrechten: Wem gehört das Bild? Den
Geldgeber_innen, die ein Forschungsprojekt, in dem visuelles Material ent-
steht, finanzieren? Den Forscher_innen, die die Rahmenbedingungen fĂĽr das
Herstellen von visuellem Material aufbauen und aufrecht erhalten? Den Teil-
nehmer_innen, die das visuelle Material erschaffen? Den Menschen, die foto-
grafiert werden? Oder den Menschen, denen das StĂĽck Land, das Haus oder
die Räumlichkeiten gehören, die fotografiert werden? Und: Wer hat das Recht,
das Bild zu verwenden, zu präsentieren und zu archivieren?
Copyright Eine erste einfache Antwort lässt sich mithilfe des Begriffs
Copyright geben. Es handelt sich hier um einen juristischen Begriff, der dar-
auf verweist, dass der_die Urheber_in eines Werkes (im Fall der Generativen
Bildarbeit hauptsächlich Fotos und Fotoreihen) dieses Werk besitzt und es
demnach unbegrenzt vervielfältigen und verwenden kann. Weniger einfach
wird die Antwort, wo man bereits bestehendes Bildmaterial verwendet. Vor
allem mit Blick auf technologische Entwicklungen im Bereich Reproduktion
und Distribution fĂĽhrt die Frage des geistigen und materiellen Eigentums
von Bildern zu diversen richtigen wie widersprĂĽchlichen Antworten (Sturken/
Cartwright 2009). Vom Zeitpunkt der Produktion bis zur weiteren Ver-
wendung werden von den Produzent_innen unter Umständen verschiedene
Generative Bildarbeit
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Titel
- Generative Bildarbeit
- Untertitel
- Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Autor
- Vera Brandner
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5008-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 276
- Schlagwörter
- Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
- Kategorie
- Medien