Seite - 18 - in Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
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Pruscha habe aber im Zuge seiner Archivarbeiten keine schwerwiegenden Verbrechen
entdeckt, wiewohl er das Archiv nicht komplett durcharbeiten konnte, da er einerseits
seinem Hauptberuf als Kaufmann nachgehen musste, das Geschäft immer schlechter lief,
und andererseits Schlossbesitzerin Gretl Falk-Weingärtner 1954 völlig überraschend im
40. Lebensjahr tödlich verunglückte, was für ihn das Ende der Forschung und Abschriften-
Tätigkeit bedeutete, zumal die Erben Falks keinerlei Interesse daran hatten, das Schloss
bereits 1956 verkauften. 1963 wurde der schöne, im Inneren unter Weingärtner-Falk
zwischen 1945 und 1954 gründlich renovierte und sanierte Schlossbau vom neuen Eigner
(s. Kurzinformation) nach Aufhebung des Denkmalschutzes der Demolierung zugeführt.54
Bezüglich der Bezeichnung der Säulen als „Gerichtssäulen“ waren ua Burgstaller,
Wibiral, Wacha, sowie die oben erwähnten Zeitzeugen informiert; Lehrer Max Gielge
hatte seinen Schülern und auch Bekannten das Schloss, die ehemalige Brauerei, die
Gerichtssäulen gezeigt, Geschichte und Teile der „Gerichtlichkeit“ der einstigen Herrschaft
erläutert.55
Zu den überlieferten Recht - relevanten Hinweisen und Fakten in der Herrschaft
Hagen zählen ua:
1) * Die einzige bekannte bildliche Darstellung ist jene auf dem Trag- bzw Wander-
Altar des Freiherrn Nicolaus vClam. Sie zeigte sowohl einen Steinkreis (Mal- oder
Gerichtsstätte), als auch die Gerichtssäulen selbst. 56
Der letzt-bekannte Besitzer bzw dessen Sohn Walter Reder konnte man den tragbaren Altar, den ehemals
die Herrschaften vom Schloss besessen hatten, zusammenklappen wie eine Schachtel. Er zeigte gemäß
Reders Beschreibung die goldenen Buchstaben „NC“ und einen vergoldeten „verkehrten Einser“ [l`] 57
darunter, auf den „Außenfensterladenseiten der Altartürln“. Reder sprach von einem sehr schönen Stück,
das der Kaiserliche Rat Friedrich Tscherne58 im Schloss Hagen gesehen, von seinem Freund Josef
Weingärtner erbeten und um 1900 erkauft hatte. Der tragbare Altar gelangte 1932 beim Kauf der oberen
Hälfte der Villa Tscherne/Villa Hagen an das Kaufmannsehepaar Franz und Rosa Reder. Dieses veräußerte
ihn schlussendlich „gegen gutes Geld “, welches es damals im Zusammenhang mit der Erwerbung der
oberen Hälfte der Villa Tscherne und des halben Grundanteiles dringend brauchte. 59
Die - mehrere Motive aus diversen Zeitepochen inkludierenden, Teile der Geschichte des Hagen und der
Umgebung präsentierenden - Darstellungen zeigten laut Schilderung Walter Reders ua im rechten inneren
Altarflügel unten die Stadt Linz, als das Linzer Schloss noch Türmchen hatte, es wenige Häuser gab; im
linken Flügel war Schloss Hagen mit Türmen und oberhalb eine Reihe aufrecht stehender Steine zu
erkennen. Die obere linke Hälfte dieses Altarsflügels zeigte das Gut Hagen noch als Bauernhof, „hoff zwe
den Hakhn“ stand darüber, und rechts vom Hof einen kleinen Turm. Unterhalb und seitlich des Hofes
gewahrte man einzelne kleine Häuschen, Weinstöcke reichten bis zum Fluss [Donau, AdV] hinab. Vater
Franz Reder wies auf „ihr“ Haus hin, das „Moßserhoeffl“ wie in alter Schrift darunter stand, es war ebenerdig
und länglich, neben der „Taffern“ [ehemalige Hoftaverne, Gebäude noch existent; AdV] gut ausnehmbar und
größer als die anderen Häuser. Schräg daneben stand in östlicher Richtung die „Altth Mawtth“, ein winziges
Häuschen. Vis-a-vis davon konnte man die Säulen erkennen, die sich „noch heute“ dort befänden.60
54 Hirschfeld, PI Juli 1999. - Erwähnung der Gerichtssäulen auch von Seiten Burgstallers (PI 23. September
1998, 3. Februar 1999) und Reders (PI 22. Oktober 1998, 2. November 1998, 16. Februar 2000).
55 Heine, PI 13. und 25. Februar 2007; Embacher, PI 1999, u.a..
56 Reder, PI 24. Jänner 2002. Wacha war sich sicher, dass Clam den Altar bei seinen kaiserlich-militärischen
Diensten, auch ins Ausland, mitführte. Seine Mutter war eine geborene Gräfin Salburg, entstammte somit
einer tiefgläubigen Familie und erzog die Kinder gewiss in dieser Gesinnung. Wacha, PI 21. Juni 2004.
57 Symbolische Darstellung mittels 2 Tastatur-Zeichen: l` = vm Rune: Recherchen Burgstaller (/Pfeffer), PI
23. September 1998. Reder Walter, PI ua 22. Oktober 1998, 24. Jänner 2002. Vgl Fischer-Fabian,
Germanen, 112. AK Turmbau Babel. Faulmann, Schrift, 161f. Pope, Schriften, 205. Line, Runen, 22, 117ff.
58 Schäffer, F. Tscherne, 107.
59 Reder Walter, PI 22. Oktober 1998, 24. Jänner 2002, auch Aussage der Witwe Katharina Tscherne. Der
Verkauf erfolgte über Vermittlung Josef Grills, Reichsbahnoberrevident und Mieter im Schloss Hagen,
Antiquitätenexperte, und dessen Freund, einen Antiquitätenhändler. Vgl Schäffer, F. Tscherne.
60 Reder Walter, PI ua 22. Oktober 1998, 24. Jänner 2002.
Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Titel
- Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Autoren
- Hanna Schäffer
- Herbert Schäffer
- Verlag
- Eigenverlag Schäffer
- Ort
- Linz
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 64
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918