Seite - 23 - in Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
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9)* Unter beinahe allen Besitzern und Inhabern des Hagen zwischen dem 17. und
19. Jahrhundert gab es wiederholt Kontroversen mit der Stadt Linz und
entsprechende Einsprüche wegen des Bruckgeldes, welches vor allem die Bier-
Lieferungen der Hagen-Brauerei über die Donaubrücke nach Linz traf. Nachweisbar
wehrten sich Hanns Adam Schmidtauer vHaggen, Christoph Ernst vSchallenberg
und Ferdinand Carl vCronpichl im 17. Jahrhundert, Johann Ferdinand vSalburg,
Franziska und Nikolaus vClam, sowie die Starhemberg im 18. (und 19.) Jahrhundert
mit jeweiligem Verweis auf vorhandene Privilegien gegen diese Belastung.80
10)* Frau Irmgard Stockhammer, eine ehemalige Inwohnerin im Schlossgebäude
Hagen (in seiner Endphase) und diesbezügliche Zeit-/Augen-Zeugin hinsichtlich des
Gebäude-Zustandes und seiner Eigenheiten, sowie diverser Überlieferungen,
berichtete, dass sich im Keller-/Abstell-Abteil ihrer Eltern, welches zum Teil in den
Bereich eines der Türme reichte, eine Art „Galgen“ befunden hatte. Es handelte sich
um ein aus schweren Balken bestehendes kreuzförmiges Gestell, dessen Balken
auf drei Seiten tief in die dicke Turm-Mauer eingelassen waren (der vierte Balkenteil
war überständig). Die Höhe wird von Frau Stockhammer auf (2 bis) 3 Meter
geschätzt, da ihr Vater eine Leiter benützen musste, als er Bretter hinauf legte.
Univ. Prof. Kocher, dazu befragt, könnte sich lediglich eine Vorrichtung zur Folter
durch Aufziehen mit einem Stein an den Füßen vorstellen. Man müsste dann aber
Befestigungspunkte für eine Rolle gesehen haben, die Raumhöhe entsprechend
passen und archivalische Belege den Befund unterstützen. >
An Befestigungspunkte erinnert sich Frau Stockhammer nicht mehr, auch sind sie
nach der Demolierung des Schlosses nicht mehr zu eruieren. Archivalische Belege,
falls vorhanden gewesen, wurden mit dem Archiv zerstört. 81
Beobachtung und Aussage sollen dennoch festgehalten werden.
Die Gerichtssäulen der ehemaligen
Herrschaft Hagen:
Da es sich bei diesem Kleindenkmal um eines der letzten Relikte der abgekommenen und
(teil-) zerstörten Herrschaft Hagen handelt, erscheint das Einbringen eines
aussagestarken, verantwortungsbewusst rück- und vorausblickenden Zitates des Anton
Ritter vSpaun vom 10. Februar 1833 an dieser Stelle speziell angebracht zu sein:
„Die Geschichte wird aber erhalten durch die Sorge für die Erhaltung
geschichtlicher Denkmäler, mündlicher und schriftlicher Überlieferung. Wir sind es
dem Andenken unserer Vorfahren, das nur dem Barbaren nicht heilig ist, wir sind es
der Gegenwart, so wie der Nachwelt schuldig, uns hierin nicht lässig zu erweisen;
denn die Geschichte eines Volkes ist die einzige feste Grundlage, auf der sich die
gesellschaftlichen Verhältnisse heilsam entwickeln, und welche Achtung könnten
unsere Nachkommen für die vorausgegangenen Geschlechter empfinden, die
durch Unverstand und Sorglosigkeit die bis auf ihre Tage erhaltenen Denkmäler
zerstört, oder ihrem Untergange auch nur gleichgültig zugesehen haben?“ 82
80 Schäffer, GHft Hagen/Linz, Bd II (Ms).
81 Stockhammer, PI 1. Juli 2013. Kocher, PI 8. Juli 2013.
82 Mag. Dr. Stefan Traxler: Hinweis und Zitat aus der Einführung zum Festvortrag, Gesellschaft für
Archäologie in Oberösterreich, Linz, 22. Oktober 2011. Aus: Erster Bericht über die Leistungen des
Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Titel
- Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Autoren
- Hanna Schäffer
- Herbert Schäffer
- Verlag
- Eigenverlag Schäffer
- Ort
- Linz
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 64
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918