Seite - 30 - in Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
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*Bei der Stadt Braunau wird eine gemauerte Burgfriedsäule erwähnt, „gleich allernechst
ausser des Landgericht Dorfs“.123
*Das Marktgericht Altheim wies 22 Säulen auf, wobei ihm die niedere Gerichtsbarkeit
zustand, dem Landgericht „ain merers nit als das Malefiz“.124
*Strnadt erwähnt in seinem Artikel über die Grenzbeschreibungen von Landgerichten
neben den „Burckfridseiln“ wie beim Markt Altheim, 125 diverse Stellen, wo die
Gefangenen an das Landgericht überantwortet wurden, zB Mattighofen („steinerne
Säule“), am „Matseer See“ (wo der Landrichter bis an den Sattelknopf reiten sollte),
usw.126
*1636 wurde auch auf „ausgeworfene“ Landgerichtssäulen am „Harlasperg“ in der
Herrschaft Puchheim hingewiesen.127
In der Landgerichtskarte im Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer ist
Hagen als Herrschaftssitz ausgewiesen.128 Eduard Richter, welcher diesen Historischen
Atlas erstellte, nahm auch die Herrschaften und Herrschaftsgebiete in seine Darstellung
auf, beachtete nicht nur die räumliche Ausdehnung, sondern sah ein kaleidoskopisches
Bild basierend auf persönlichen Rechten und Verpflichtungen, die als erblicher Besitz von
Grund und Boden, Gerichtsbarkeit, Vogteiverhältnissen, Regalien (Jagd, Fischerei129 und
Wald), Zehenten etc hervortreten.
Diverse Einzelberechtigungen begründeten die Macht des jeweiligen Herrschaftsbesitzers.
Es wurde versucht, die Patrimonialherrschaften (Dominien und Gülten) des Landes nach
dem Kriterium des Ausmaßes an Untertans-Gründen in das Kartenbild aufzunehmen. Die
Sitze der Herrschaften (mit 1>50 bis über 400 Untertanen) sollten durch bestimmte
Signaturen die Bedeutung der einzelnen Herrschaften erkennen lassen, wovon aber
letztlich Abstand genommen wurde.130
Josef Weingärtner, Besitzer des Hagen von 1896 bis 1948, verwies, ua Prof. Burgstaller
gegenüber, auf Vermerke bezüglich der seit alters her im Hagen an der Grenze des
Herrschafts- zum Landgericht existenten Gerichtssäulen, wo Übeltäter wie es hieß
„in die Eisen geschlagen“ wurden bzw „mit dem Gürtel umfangen“ warten mussten,
bis man sie zum zuständigen Landgericht abführte.131
Univ. Prof. Dr. Helmut Jodok vMezler-Andelberg, Dr. Georg Wacha, u.a., erklärten bei
Lokalaugenschein-Terminen unabhängig von obiger Aussage und ebenso unabhängig
voneinander, dass es sich bei den noch heute beim ehemaligen Moserhäusel, eindeutig
direkt an der Grenzecke der damaligen Herrschaft aufgestellten Säulen, deren eine noch
ein „Metallstück“ für die Befestigung eines Ringes aufweist, eindeutig um Gerichtssäulen
handelte, welcher Meinung sich auch Dr. Lothar Schultes vom OÖ Landesmuseum
anschloss. Letzterer sprach von Renaissancesäulen, und setzte sich bereits (ebenfalls
vergeblich!) beim Bundesdenkmalamt Linz für ihre Unterschutzstellung ein. Auch dieses
123 Strnadt, Histor. Atlas, ÖodE, 365.
124 Strnadt, Histor. Atlas, ÖodE, 372.
125 Strnadt, Histor. Atlas, ÖodE, 372.
126 Strnadt, Histor. Atlas, ÖodE, 373, 376, 380.
127 Internet, www.landesarchiv-ooe.at/...Verzeichnis OÖLA, HA Puchheim, B 63, 48, Nr. 14.
128 Strnadt, Histor. Atlas, ÖodE.
129 Probleme Christoph Häckhls mit der Stadt Linz wegen der Hagener Donaufischer, trotz Privileg (s.o.).
130 Mell, Hist. Atlas, ö. Alpenländer, 498ff.
131 Burgstaller, PI 23. September 1998. Wacha, PI 26. März 2003. AStL, Hs 4001: Landgerichtsordnung
1559 (1581, 1618). Vermerk: 25. Octobris 1628 „Hannß Wilhelm Vrkhauff gehorig“ (Die Urkhauff aus Steyr
traten über eine Eheschließung mit den Engl vWagrain auch mit Hagen in Verbindung).
Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Titel
- Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Autoren
- Hanna Schäffer
- Herbert Schäffer
- Verlag
- Eigenverlag Schäffer
- Ort
- Linz
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 64
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918