Seite - 40 - in Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
Bild der Seite - 40 -
Text der Seite - 40 -
39
auf die wechselnde „Parzellensituation“ des betreffenden Grundstreifens (ohne
vorgefundene Einzeichnung des Standplatzes oder etwaigen Versetzungsvermerks -
sic! - ) und abermals auf die für den Wert des Monuments all-entscheidende [in diesem
Fall weder „nachvollziehbare“ noch zutreffende], „angenommene Kontinuität des
Standortes“.154 Die hohen Kosten einer Versetzung hätte in dieser althergebrachten
"untertänigen Kleinhäusler-Siedlung" lediglich der aus der Stadt Linz zugezogene
wohlhabende Kaiserliche Rat Friedrich Tscherne tragen können und wollen, und eben
dieser als Ehrenmann mit Handschlagqualität geschätzte Großindustrielle hatte seinem
Freund, dem Schlossbesitzer Josef Weingärtner die Belassung in situ zugesagt und sich
bei der Errichtung seines Eingangstores an sein Versprechen gehalten, auf ein
"Fußgängertürchen" verzichtet (s.o.). 155
Als "Nicht-Linzer" und daher nicht „persönliche Überlieferungsträger“ waren die Autoren
dieser Publikation natürlich neben den Archiv-, Grundbuch- und Vermessungsamt-
Unterlagen und -Auskünften auf die von Insidern (unabhängig voneinander) erhobenen
Aussagen, auf Überlieferungswissen, lokale Einsichtnahme etc angewiesen.156 Dabei
kristallisierte sich abermals als feststehend heraus, dass aus historischen Gründen die
Gerichtssäulen im unmittelbaren [südöstlichen] Eckbereich der Herrschaftsgrenze
auf Herrschaftsgrund aufgestellt worden sein müssen, ungeachtet, ob sie dann bei
Parzellen- Eigentümer-Wechsel, Parzellenteilungen- und- Zusammenlegungen, etc, durch
Aufstellung von Holzhütten o.Ä. vor ihrem Stand-Punkt, gleichsam plötzlich südlich,
nördlich oder westlich zu stehen schienen bzw vom jeweiligen Gesichtswinkel betrachtet,
so wahrzunehmen waren. 157
Die vom BDA infolge seiner "nunmehrigen Recherchen" eingebrachte
"Erläuterungsfindung" und Argumentation hinsichtlich der Holzhütten ist insofern leicht zu
widerlegen, dass Abmessungen und Blickwinkel für die einstmalige Aufstellung der
Holzhüttenreihe der ehemaligen Hoftaverne Hagen (Hagenstr. 41) ihre Platzierung
eindeutig und zweifelsfrei hinter der Häuserfront-, Straßen- und Nachbargrund-
Linie, anschließend an den notwendigerweise stets freigehaltenen ohnehin engen
Umkehrplatz ("Umkehrplatzl") und örtlich nach dem Säulenmonument ergeben. Der
Hagen´sche Gärtner Johann Rezac, der auch zeitweise für Tscherne arbeitete, schilderte
mehrmals die schwierige Umkehr-Situation bei den Säulen, wenn mit größeren
154 BG Urfahr, EZ 211/7, Kaufvertrag 22. Februar 1907. Die Autoren durchforsteten seit 1997 in penibler und
umfassender Forschungstätigkeit unzählige Archivalien in diversen Archiven, hatten Zeit- und Augenzeugen
kontaktiert, nach Überlieferungswissen befragt, auch im Hinblick auf die Gerichtssäulen speziell geforscht
(s.o.; > Studium Geschichte), hegten daher keinerlei Erwartungen eines Beleg-Fundes oder historisch-
seriösen Hinweises seitens des BDA, was sich auch bestätigte. Die in unserer Studie erwähnten Vermerke
bzgl Darstellung auf dem Tragaltar aus dem 18. Jh (Walter Reder), die [Zeitzeugen-] Aussagen (ua Johann
Rezac, Jeanette Heimerl) zur Ära Tscherne und die der nachfolgenden Parzellenbesitzer, Anrainer und
Wissensträger, sind daher bis zum "eventuellen" Auftauchen anderer Zeugnisse als die einzigen
"tatsächlichen Belege" anzusehen. Rezac sah den Altar, als er bei Tscherne half, eine Zimmertanne in die
Mansarde zu tragen. Rezac, 18. Juni 2000.
155 Schäffer, F. Tscherne; auch wiederholt mitgeteiltes Wissen Johann Rezacs (ua PI 26. Juni 2001),
Jannette Heimerls (PI ua 10. August 1997).
156 Ua Rezac, ua PI 26. Juni und 24. Juli 2001, erwähnte mehrmals die Gerichtssäulen und den engen
Umkehrplatz davor. Ströbinger, PI 22. Jänner 1998; Burgstaller, PI 23. September 1998: Josef Weingärtner
erläuterte ihm dereinst die Säulen und erklärte, das Archiv enthielte dazu etliche Belege. Das Schlossarchiv
existiert nicht mehr, wurde ["Abriss-Zeit-gerechte" Aufhebung des Denkmalschutzes!] mit dem Schloss
zerstört. Hirschfeld, Juli 1999: Erklärung durch Pruscha; Kletzmayr, März 1997. Litzlbauer, PI Anfang
Dezember 2001: Reder hatte bei der Kollationierung einige Stellen über die Gerichtssäulen durchgesehen.
Mitter, PI 7. März 2007: Hatte in der Schule von den Säulen gelernt, vom "in die Eisen schlagen" dort.
157 Schäffer, F. Tscherne, 7, 54. Hüttner, PI März 1998; Kletzmayr, PI März 1997; Reder, PI 28. März
1997; Scherer, PI August 1998; Rezac, PI 26. Juni 2001: Bereits sein Großvater hatte um die/ ab der
Jahrhundertwende fallweise bei der Herrschaft als Aushilfsarbeiter geholfen, hatte auch mit dem Meierhof-
Wagen ua Sand und Holz zur Tscherne-Villa geführt, erinnerte sich, dass das Umdrehen bei den Säulen
schwierig gewesen sei.
Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Titel
- Gerichtsbarkeit und Gerichtssäulen der ehemaligen Herrschaft Hagen bei Linz
- Autoren
- Hanna Schäffer
- Herbert Schäffer
- Verlag
- Eigenverlag Schäffer
- Ort
- Linz
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 64
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918