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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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triebausgeschlossenenbzw.marginalisiertenBereichs.31Vielmehr lässtdie prominenteSetzungdesBegriffs ,Trivialroman‘darauf schließen,dass sich ThalmanneinerStrategiebediente,diedarauf abzielte, alsFraumit einem RandforschungsgebieteherhabilitiertzuwerdenalsmiteinemThema,das imZentrumdesgermanistischenInteresses standundsomitvonMännern besetzt war. Tatsächlich untersuchte Thalmann durch ihre Präferenz der Romantik aber ein Forschungsgebiet, dessen literaturwissenschaftlicher Attraktivitätswert in den 1920er Jahren derart hoch war, dass Julius Pe- terseninseinerStudieWesensbestimmungderdeutschenRomantikvon1926 feststellen konnte, dass „die heutige Literaturgeschichte beinahemit Ro- mantikforschung gleichgesetzt werden kann“32, und Paul Böckmann in seinem Aufsatz „Ein Jahrzehnt Romantikforschung“ von 1933 konsta- tierte,dassdieRomantik„zueinemder lebendigstenBereichederneueren Literaturwissenschaft geworden“33 sei. In der Germanistik des 19. Jahrhunderts, in der – zumindest rück- blickend – philologische Exaktheit, Quellen- undTextkritik die Arbeits- weise der Forscher bestimmten, war die Klassik paradigmatisch als Hö- hepunkt literarischen Schaffens und damit auch als bevorzugter Gegenstand literaturwissenschaftlicher Anstrengung gesetzt worden.Der Romantik widmeteman sich (mit AusnahmeRudolf Hayms und Jakob Minors), wenn überhaupt, nur als zusätzlicher Kontextinformation zur Goethe-Forschung.34 In der zwischen 1890 und 1914 beginnenden Los- lösung von dem nun als ,positivistisch‘ diskreditierten Methodenideals wurdedieEpochederRomantikaberzueinemGegenstand,mitdemman in der „Überwindung von ,Historismus‘, ,Relativismus‘ und fachwissen- schaftlichem,Spezialistentum‘sowie imBruchmit ,Intellektualismus‘und ,Mechanismus‘“35zueinerneuenüberrationalenWeltsichtzurückzukehren hoffte, nämlich „zu Seele undMystik, zu Symbol undMetaphysik, zu Intuition und Kosmologie, zu Geheimnis und Mythos, zu Geist und Überpersonalität“36. Dabei waren die zeitgenössisch zahlreichen litera- turwissenschaftlichenUnternehmungen zur Romantik, die als Symptom 31 ZudenAnfängenakademischerTrivialliteraturforschungvgl.Schenda:Volkohne Buch (1970); Schulte-Sasse:Trivialliteratur (1984). 32 Petersen:Wesensbestimmungder deutschenRomantik (1926), S. 2. 33 Böckmann:Ein JahrzehntRomantikforschung (1933), S. 47. 34 ZuMinorsRomantikeditionen undderRomantikauffassung der Scherer-Schule vgl. Elkuß: Zur Beurteilung der Romantik und zur Kritik ihrer Erforschung (1918). 35 Klausnitzer: BlaueBlumeuntermHakenkreuz (1999), S. 32. 36 Mahrholz:DeutscheLiteratur derGegenwart (1930), S. 92. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 153
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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