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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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sitätslehrers Bernhard Seuffert – mit Unverständnis gegenüber. Am 29.April 1923 schrieb er an Seuffert: Freilich das überaus fleißige Buch beruht nach meiner Meinung auf einer falschenVoraussetzung; fürden jungenTieckundE.Th.A.Hoffmannmages richtig sein, aber der übrigeRomanderRomantiker hat andereQuellen. Je- denfalls ist der [!] Aperçuüberspannt.57 Das von August Sauer mit beiläufiger Geringschätzung konstatierte ,überspannteAperçu‘gehörteaberzueinerWissenschaftsauffassung, inder im engenZusammenschluss vonRhetorik undWeltsicht, vonDichtung undWissenschaftdieMöglichkeit zurErkenntniskomplexerSachverhalte gesehen wurde (und die bereits zeitgenössisch heftiger Kritik ausgesetzt war)58. Die Idee bestand in der Annahme, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch ästhetische Kriterien zur wissenschaftlichen Erkenntnis notwendig seien; dass es auch in wissenschaftlichen Texten einen engen „Zusammenhang zwischenKunstformundWeltanschauung“59gebe;und schließlichdass für „den reinenGelehrten-undSchulmeistertyp,denTyp desNichtkünstlers in jedemSinne,demdieErforschungderBegriffe und Tatsachenmehrbedeutet alsdieErspürungdesmenschlich-künstlerischen Wertes im Werk, […] das tiefere Leben im Kunstwerk ewig Hekuba bleiben“60werde. Insgesamt lässt sich für die 1920er Jahre innerhalb der 57 Brief vonSauer anSeuffert vom29.April 1923;ÖNB,Handschriftensammlung 423/1–624. 58 Vgl. u.a. den – die zeitgenössische wissenschaftliche Rhetorik verteidigenden – AufsatzvonFriedrichKuntze:VomStilwandelindermodernenwissenschaftlichen Methodik und von dessen Verständnisschwierigkeiten (1925). – Thalmanns ebenfalls geistesgeschichtlich gesinnter Freund undKollegeHerbert Cysarz, der selbsteinMeisterdesmanieristischenStilswar,hattesichvomSauer-SchülerGeorg Stefansky sagen lassenmüssen, dass seineHabilitationsschrift den „Gipfelpunkt des Subjektivismus“ darstelle und „unerträgliche sprachliche Fehlbildungen“ enthalte. Stefansky:DieMacht des historischen Subjektivismus (1924), S. 166– 167.–NichtsdestotrotzkonnteauchCysarzinseinerBesprechungvonThalmanns ArbeitHenrik Ibsen, ein Erlebnis derDeutschennicht umhin, „[z]ahlreichewirre, darunter unlogische Stellen“ zu beanstanden und ihre Ausdrucksweise als „im- pressionistisches Flimmern“ zu bezeichnen. Cysarz: Jahrhundertwende und Jahrhundertwehen (1929), S. 759. 59 Wundt: Literaturwissenschaft undWeltanschauungslehre (1930), S. 414. 60 Sarnetzki: Literaturwissenschaft und dieDichtung undKritik des Tages (1930), S. 450. III.Marianne Thalmann (1888–1975)158
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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