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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Titel genanntwird, ist fürThalmannalsodasResultat eines politischenDe- mokratisierungs-undEgalisierungsprozesses,der,daerdie„Überprüfungaller absolutenWerte“hervorrufe, zueiner „Anarchie vonKräften [führe], die für einenAufbaunichtmehr inFormsind“. (Thalmann1932, 7) Schuld am Niedergang eines zuverlässigen Wertesystems ist laut Thalmann der Liberalismus, dessen „entscheidende[n] Gesellschaftszu- stand“sie im„Kapitalismus“siehtunddensieals„Entwerter“entlarvt,„der mitseinenSchlagwortenvonFrieden,Freiheit,GleichheitbeiUngleichheit des Besitzes, Toleranz undDemokratie alles Absolute anGewicht verrin- gert“. Das führe einerseits dazu, dass „alle Belange vomDenken uner- bittlich durchsetzt werden, genau sowie frühere Zeiten sie derGefühls- durchblutung ausgesetzt haben“, andererseits zu einer auf Profit eingestellten kaufmännischenWeltsicht, die den liberalenMenschenmit seiner „mitreißende[n] Diesseitigkeit“ zum „Optimisten der höchsten Rentabilität“ mache. (Thalmann 1932, 5) Mit diesem „industrielle[n] Impuls“unddemdarinbegründeten„RationalismusneuesterObservanz“ gehedas „philosophische StaunenüberdieWelt“ ebenso verlorenwie der „Gefühlssturm des deutschen Idealismus“. Von aller geistigen Leistungs- fähigkeit desMenschen bleibe nur das „Produktionsgebiet des technolo- gischen Intellekts“ übrig, das allein schon einenUntergang kennzeichne, denn, so Thalmannweiter: „[J]ede Technik führt uns an den brüchigen Rand einerKultur […].“ (Thalmann1932, 6) Unterdiesenkultur-undgesellschaftspessimistischenVoraussetzungen widmet sichThalmannzunächstderBildung(unddemVerfall)desPaares als „erste[n] Grundstein der Vergesellschaftung“. Dabei lässt sie keinen Zweifel an ihrer Befürwortung der Konvenienzehe: Dieses „ehemals ge- sicherte Gefüge“, das auf der Autorität der Vorfahren gegenüber ihren Nachkommenberuhte,„vomGedankenderOrthogenesegetragen“wurde und die „Organisationshöhe der Familie zumZiel“ hatte, war, so Thal- mann,nämlichnichtnureine„biologischeHöchstleistung“, sondernhatte auch eine „ersichtliche wohlhabendeHeiligkeit“. Denn wenn sich die – aufgrund der Vertrauenswürdigkeit ihrer biologischen Anlage und zur „Sicherung desKapitalzuwachses“ – zusammengefügtenEhepartner nach der klar verteilten „Über- undUnterordnung“und dem „Begriff des Sa- kraments unddes heiligenStandes“verhielten, dannwardiese „Ehe alten Stils“ der Garant für eine unendlich viele Generationen übergreifende, stabileGesellschaftsordnung. ImLaufedes19.Jahrhunderts regte sich laut Thalmannaberein„Zeitwillen“, indemder„Zweifelandergewolltenund vorbestimmten Geschlechterfolge“ hereinbrach und der „Glaube an die unlösliche Gemeinschaft von zwei Menschen und ihren Nachkommen III.2. Konservativ-pessimistische Zeitdiagnose einer Intellektuellen 165
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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