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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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der Machtverhältnisse von Diesseits und Jenseits auszufechten“. Dabei habe der Bürger „mit der Schleuderkraft seiner Schlußfolgerungen“dem Tod zunächst seinen Sinn für Gerechtigkeit abgesprochen, da er weder zwischenReichundArm,ErfolgundMisserfolgnochzwischenSchuldund Unschuld zu unterscheiden im Stande sei. (Thalmann 1932, 41–42) Danachhabeer seineTodesfurchtmitderEntwertungderUnsterblichkeit bekämpft:„WerkeinerZukunftverpflichtet ist,gibtkeinenEinsatz fürdie Ewigkeit.“ In einer „Mixtur aus Neugierde und Ästhetizismus“ sei an- schließend noch dieMemento-Mori-Tradition der sakralenAufmachung der Leiche dahingehend genützt worden, dass durch die pompöse Ge- staltungdesBegräbnisseswieder die bürgerlichenWerteErfolg undGeld zumAusdruckkämen:„DerTodistnichtmehrgleich,ernimmtdeneinen nicht wie den andern, er ist ein Tod erster bis dritter Klasse mit ver- schiedenen Orchestern.“ (Thalmann 1932, 43–44) Ganz und gar ent- machtethabeder liberaleBürgerdenTodaber, soThalmannresümierend, durch die Erörterung der Frage des Selbstmords. In seinem uneinge- schränktenSubjektivismushabederBürgerdenSelbstmordnämlichnicht mehr als abzulehnendenAkt gegen die AllmachtGottes angesehen, son- dern imGegenteil als Beweis der „Steigerung seiner eigenenLeistungsfä- higkeit“:Wie inGerhardHauptmannsVor Sonnenaufgang (1889) berau- sche er sich nunmehr an dem „Bewußtsein, es in der Hand zu haben“. (Thalmann1932, 45) Im„Preissturz allerWerte“ (Thalmann1932,45)bleibenurnochdas Leben als ernst zu nehmendeKategorie.Dochnicht das „kämpfende Le- ben“,nicht „Pflicht,Volk,Vaterland“ (Thalmann1932,46–47), sondern dasvomLiberalismusversprochenebequemeundgleichzeitig interessante Leben, die „Behaglichkeit des genußreichen Augenblicks“ (Thalmann 1932,48)werdezumhöchstenGut.DieausschließlicheKonzentrationauf dieGegenwartseidabeinurein„Mittel, sichvordemzubewahren,wasdie Menschen am heftigsten packt und verstört: Erinnerung“ (Thalmann 1932, 51), weshalb „das Unhistorische zur Göttin der Demokratie“ (Thalmann 1932, 48) ausgerufen und aus dem „Erlebnis der Zeit die Richtung und das ethische Bezogensein auf ein Vergangenes und ein Kommendes“ ausgeschaltet werde. (Thalmann 1932, 49–50)Was übrig bleibe, seien lautThalmannSpieler undRäsoneure; eineRolle zuhaben, Akteur zu sein, werde uninteressant. Schnitzlers „hochmütige[s] Wort“: III.Marianne Thalmann (1888–1975)170
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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