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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Richtlinien gegeben hat“.Damit habe das Bürgertumnämlich nicht nur den (für eine funktionierende Gemeinschaft erforderlichen) „Kreis der nationalen Bedingtheit“ überschritten, indem es sich „international“ wähnte, sondern sich außerdemder „MasseMensch“hingegeben, bei der freilich immer die Gefahr bestehe, dass sie „imAufruhr“ alles „zertrüm- mert“. (Thalmann 1932, 56–57) Dabei könne dieser untergehenden Gesellschaftinihrem„Totentanz“selbstderaufZusammenhalteingestellte „rassenmäßige Volksbegriff“ nichtmehr helfen, da es sich bei diesem, so ThalmannineinerbemerkenswertenVerkennungderrealpolitischenLage, um „eine Gemeinschaftsform [handle], für die innerhalb der liberalen SpannungenkeinRaumist“. (Thalmann1932,57–58)Vieleherzeigedie „EnteignungderProbleme“,die„Bolschewisierungaller […]bürgerlichen Formen“, dass „die liberaleWelt ihreGrenzenhinüber zumSozialismus“ verschieben werde, weshalb, so Thalmann in ihrem Schlusssatz, von der bürgerlichenGesellschaft nichts übrig bleibenwerde als ein „unvergäng- liches und furchtbares Plakat: Ausverkauf derWerte“. (Thalmann 1932, 61) Diese furiose und politisch dem konservativ-nationalen Lager nahe- stehendeUntergangsargumentation96 versieht die promovierte und habi- litierte (universitär also doppelt beglaubigte) Germanistin Thalmann an keiner Stellemitmethodisch-theoretischenErläuterungen zu ihrem (lite- ratur-)wissenschaftlichenVerfahren.Dabei umfasst dieTextgrundlageder Studie ein breites Spektrum an Dramen, das von Ferdinand Raimund, FranzGrillparzer,GeorgBüchner,FriedrichHebbel,LudwigAnzengruber über Ernst von Wildenbruch, Arthur Schnitzler, Gerhart Hauptmann, HermannBahr,HugovonHofmannsthal bis hin zuFranzWerfel,Walter Hasenclever,ReinhardSorge,ErnstTollerundArnoltBronnen,alsobis in dieunmittelbareSchreibgegenwartThalmanns, reicht. Sounterschiedlich diese Texte in ihrer stilistischen, rhetorisch-argumentativen, historischen undpolitisch-gesellschaftlichenAnlageauchsind,Thalmannbringtsieauf einen einfachen und unterschiedslos gemeinsamen Nenner, indem sie „[j]edes Drama der nachromantischen Zeit“ zu einem „ausgesprochen bürgerliche[n]Gefüge“ erklärt. (Thalmann1932, 7) LiterarischenEigen- 96 Thalmann vertratmit ihren antiliberalen, antiparlamentarischen und antidemo- kratischen Ausführungen Positionen, die unter demweiten Begriff der ,Konser- vativen Revolution‘ zusammengefasst werden können. Zur konservativen Kul- turkritik in der Weimarer und Ersten Republik vgl. die – ideologisch ihrem Gegenstand zwar nahestehende, aber doch brauchbare – Studie undMaterial- sammlungvonMohler/Weißmann:DieKonservativeRevolution inDeutschland 1918–1932 (2005). III.Marianne Thalmann (1888–1975)172
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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