Seite - 177 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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cheAnzahl anwissenschaftlichenVeröffentlichungen113vorgelegtundwar
seit April 1929 – auf Empfehlung Paul Kluckhohns – imGenuss einer
ständigenRenumerationfür ihreLehrtätigkeit.114 ImFrühjahr1933stellte
das Professorenkollegium der philosophischen Fakultät außerdem den
Antrag,Thalmann (als erster Frau anderWienerGermanistik) denTitel
einesaußerordentlichenProfessorszuverleihen.Dabeihandeltees sichum
einenUsus imösterreichischenUniversitätssystem,derdazudiente, einem
Privatdozenten symbolisch (nicht pekuniär und unabhängig von einer
Professur)Anerkennung zu zollen.115Nadlernutztediedafür anberaumte
Sitzung am 25.März 1933 jedoch nicht, um über Thalmanns Qualifi-
kationenzuberaten, sondernumdenvonihmpräferierten,umzehnJahre
jüngeren Privatdozenten Hans Rupprich, dessen Leistungen eigentlich
nicht zurDebatte standen, in denVordergrund zu spielen:116 Sollteman
113 Neben den fünf selbständigen Publikationen, die bis 1933 erschienen (Probleme
der Dämonie in Ludwig Tiecks Schriften [1919],Der Trivialroman des 18. Jahr-
hunderts und der romantische Roman [1923],Gestaltungsfragen der Lyrik [1925],
Henrik Ibsen, ein Erlebnis der Deutschen [1928], Die Anarchie im Bürgertum
[1932]), regteThalmann außerdemdieÜbersetzung vonRilkesDuineser Elegien
ins Polnische an, wofür sie ein Vorwort verfasste (Thalmann: Wste˛p [1930]),
veröffentlichte Aufsätze u.a. zuGottfriedKeller,HeinrichHeine, JohannWolf-
gangGoetheundThomasMannsowiezahlreicheRezensionenzuliterarischenund
wissenschaftlichenTexten.Eine (nicht vollständige)Bibliographie ihrer Schriften
findetsichin:Thalmann:RomantikinkritischerPerspektive(1976),S.193–196.
114 Laut § 18 der Habilitationsnorm vom 2. September 1920 und der Durchfüh-
rungserlässe vom 2. September 1920 (Zl. 13937), vom 19. Oktober 1920
(Zl.20764)undvom8.April1929(Zl.7984-I/2)waresmöglich,normalerweise
unbesoldetePrivatdozentenunterderVoraussetzungsozialerBedürftigkeit fürihre
Lehre zu entgelten. Vgl. Vollzugsanweisung des Staatsamtes für Inneres und
Unterrichtvom2.September1920betreffenddieZulassungunddieLehrtätigkeit
der Privatdozenten andenHochschulen (Habilitationsnorm) (1920), S. 1646. –
Sitzungsprotokolle undDekrete bezüglich der „ständigenUnterstützung“ Thal-
manns vgl.UAW,Phil. Fak., Zl. 594 ex 1928/29,Zl. 752 ex 1931/32, PA3433
MarianneThalmann.
115 In § 20 derHabilitationsnorm vom2. September 1920 heißt es diesbezüglich:
„Für Privatdozenten […] kann vom Professorenkollegium die Verleihung des
Titels eines außerordentlichen […] Professors als Anerkennung ihrer akademi-
schen Wirksamkeit beantragt werden.“ Vollzugsanweisung des Staatsamtes für
InneresundUnterrichtvom2.September1920betreffenddieZulassungunddie
Lehrtätigkeit der Privatdozenten an den Hochschulen (Habilitationsnorm)
(1920), S. 1646–1647.
116 Mit Ausnahme vonHans Rupprich hatNadler nicht nurMarianne Thalmann,
sondern alle „Schüler seiner Vorgänger Brecht und Kluckhohn […] wenig
[ge]schätzt[ ], ja teilweise sogar behindert“. Meissl: Germanistik in Österreich
(1981), S. 481.
III.3.Wiener Karriere undWeggang in dieUSA 177
Germanistik in Wien
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Titel
- Germanistik in Wien
- Untertitel
- Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
- Autor
- Elisabeth Grabenweger
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2016
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-045927-2
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 290
- Schlagwörter
- German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
- Kategorie
- Lehrbücher