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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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des Zählens, Messens und Wägens“ angewendet, um „Kategorien“ zu finden, „welche eine ganzmechanische, dieWillkürmöglichst ausschlie- ßendeEinordnungderTatsachen zulassen“.29 Wenn hier fast zeitgleich die beidenWiener Altgermanisten Rudolf MuchundRichardHeinzelmit denselbenAttributenporträtiertwurden, dieseabermitgrundsätzlichanderenVorzeichenversehenwaren,dannlässt sich zunächst feststellen, dass eine Auseinandersetzung um dieDefiniti- onsmacht über Gegenstand und Methode des älteren Fachs stattfand. Tatsächlich beschäftigte sichHeinzel fast ausschließlichmit der Literatur des8.bis15.Jahrhundertsundversuchtenureinmal, inseinerArbeitÜber den Stil der altgermanischen Poesie von 1875, aus der Literatur eine Ge- schichte der Nationalität abzulesen, weigerte sich sonst aber, aus Hel- densagenoderanderen literarischenTextenrealhistorischeSachverhalte zu erschließen.30Das Forschungsgebiet Muchs sah ganz anders aus. Much spezialisierte sich von Beginn an auf deutsche Altertums- und Germa- nenkunde, legte seinen Forschungszeitraum also mehrere hundert Jahre früher an, undwidmete seinewissenschaftlicheAufmerksamkeit weniger der Spezifität von Literatur als dem historischen Aussagewert von „Wörter[n] undSachen“31. Nachdem im letztenDrittel des 19. Jahrhunderts dieFächertrennung derGermanistik in eine neuere und eine ältere Abteilung nominell fest- geschriebenwordenwar, stellte sichnichtnur fürdieneuere,wie schonoft angemerkt wurde,32 sondern auch für die ältere Abteilung die Frage, auf 29 Körner: Deutsche Philologie [1935], S. 72–73. Zu Heinzels ,objektiver‘ Ar- beitsweise vgl. auch Schmidt: Die literarische Persönlichkeit (1909), S. 189– 190. – Helmut Birkhan und Peter Wiesinger, zwei Schüler von Otto Höfler, tradieren bis heute dessen (vonMuch übernommene) Auffassung, dass die Er- kenntnis der Aussichtslosigkeit einer solchen Arbeitsweise Heinzel 1905 in den Selbstmordgetriebenhabe.Wiesinger/Steinbach:150JahreGermanistik inWien (2001), S. 49;Birkhan: „Altgermanistik“undgermanistische Sprachwissenschaft (2003), S. 146 (Anm. 106). – Dazu muss bemerkt werden, dass Höfler 1901 geboren wurde, beim TodHeinzels also vier Jahre alt war, undWiesinger und Birkhannicht einmal in dieNähe einerZeitzeugenschaft kommen. 30 Amauffälligsten istdieseHaltung inHeinzelsArbeitBeschreibungder isländischen Saga von1880, in der die Sagas systematisch zerlegt undbeschrieben, aber keine AussagenüberderenhistorischeEntstehungoderEntwicklung getroffenwerden. Auffällig ist das deshalb, weil gerade die (isländischen) Sagas beiMuch als Aus- kunftsmaterial über dasGermanentumherhaltenmussten. 31 So der Titel der 1909 von Rudolf Much gemeinsam mit seinem ehemaligen StudienkollegenRudolf Meringer und demRomanistenWilhelmMeyer-Lübke gegründetenZeitschrift, in der auchderNachruf Höflers erschien. 32 Vgl.Kap. I. IV.1. Altertums- undGermanenkunde 189
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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