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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Auffassung von der Deutschen Philologie als „Tochter des nationalen Enthusiasmus“, als „bescheidene pietätvolleDienerin derNation“.38Mit Heinzels Interpretation der Wissenschaftsauffassung Wilhelm Scherers wurde auch dasWiener Programm des planmäßigen Lehrstuhls für das ältere Fach, den er als Erster nach der Fächertrennung innehatte, für Generationen vorgegeben: Ihm folgten 1905 Josef Seemüller und 1912 Carl vonKraus; beidewurdennachdemAuswahlkriteriumder ,strengen‘ Philologie berufen.39 DerTeilderGermanistik,der sichmitdeutscherAltertumskundeund Mythologiebeschäftigte, sichalsonichtderPhilologieverschrieb, sondern auf Jacob Grimm als Historiker des deutschen Volkes mit „Mut des Fehlens“40 rekurrierte, blieb inWienabernur innerhalbderplanmäßigen Professur ausgespart. Durch die Förderung und Beförderung Rudolf Muchs ab Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich nämlich ein kultur- geschichtlichundethnographischorientierterForschungszweig,der inden folgendenJahrzehntenzusehendsanEinflussgewinnenundinden1920er 38 Scherer:WissenschaftlichePflichten (1894), S. 1. 39 Seemüllers Berufung folgte der Absicht, einen „philologisch geschultenGerma- nisten“zugewinnen,wobei sich,wie es imKommissionsberichtheißt,Seemüllers Arbeitenbesondersdurch„ErnstundGründlichkeit“sowie„eine ruhigeundklare Darstellung“auszeichnen.Kommissionsbericht[Mai/Juni1905],[Referent:Jakob Minor];UAW,Phil.Fak.,Zl.3529ex1904/05,PA3135Josef Seemüller.–Über von Kraus heißt es im Bericht der Berufungskommission, dass mit seiner An- stellungder„ZusammenhangmitdergroßenVergangenheitderAltgermanistikan unsererUniversitätgewahrt“bleibe,da„wiederumeinSchülerHeinzelsaufdessen Lehrstuhl berufen“ werde. Außerdem, dass Kraus’ „gesamte Forscherarbeit“ ge- kennzeichnet sei „vonWissen und Gewissenhaftigkeit“ und „durch vorzüglich ausgebildeteMethoden, wobei mühsam gewonnenesMaterial undHandwerks- zeug“ immer eine große Rolle spielten. Kommissionsbericht vom 4. Juli 1912; ÖStA, AVA, Unterricht allgemein, Professoren und Lehrkräfte: Anstellungen, Rang, Entlassung 1912–1914,MCUZl. 3349 ex 1912. – Zu den Berufungs- verhandlungen vgl. auchKap. I.1. 40 „,ManmußauchdenMutdesFehlenshaben‘,sagtJakobGrimm,undesbedarfder ,Hypothesen‘.“ Scherer: Wissenschaftliche Pflichten (1894), S. 3. – Vgl. auch ders.:JacobGrimm(1885),S.328–329:„,Wernichtswagt,gewinntnichts‘, sagte JacobGrimmeinmal, ,undmandarfmitten unter demGreifen nach der neuen FruchtauchdenMuthdesFehlenshaben.‘DaswarderrechteGrundsatz füreinen Entdecker,undes istderrechteGrundsatz für jeden,der indieEntwickelungeiner WissenschaftdurchneueGedankeneinzugreifenhat.Wieweitwärenwir zurück, wenn Jacob Grimm nicht denMuth des Fehlens gehabt hätte, wenn er in der Grammatik jeden Punct hätte sicherstellen, in den Rechtsalterthümern auf die Publication allerWeisthümer warten, in derMythologie keinen Schritt insUn- gewissewagenwollen.“ IV.1. Altertums- undGermanenkunde 191
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
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