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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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nicht in ihrer literarischen oder gattungsmäßigen Eigenart betrachtet, sondern als treueWiedergabe realerVerhältnisse gelesen. Much, dessen ganze „Hingebung“, wie Dietrich von Kralik 1932 formulierte,der„ErgründungundErfassungdesgermanischenMenschen, desgermanischenLebensselbst“galt,60hattewiealleGermanenkundlerdas Problem, dass dieQuellenlagemehr als dürftigwar und zahlreiche Leer- stellenaufwies.DieseLeerstellenwurdenaberdurchgewagteHypothesen, strategische Ableitungen und ein ideologisches Profil, das im Zweifel immer für die germanische Tradition sprach, überbrückt.61 Eine solche Arbeitsweise blieb zeitgenössisch zwar nicht unwidersprochen,62 tat dem akademischenundaußerakademischenErfolgRudolfMuchs aber keinen Abbruch: ErwarwirklichesMitglied derÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften in Wien, wo er auch als Obmann der prähistorischen Kommission undObmann-Stellvertreter der Kommission für das Baye- risch-österreichischeWörterbuch fungierte; er warMitglied derDeutschen Akademie und derGesellschaft für Anthropologie inMünchen, derKönig- lichen Wissenschaftsgesellschaft in Uppsala, derDeutschen Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in der Tschechoslowakei und derWienerPrähis- 60 Kralik:RudolfMuch zum70.Geburtstage (1932), S. 364. 61 IndenNachrufenheißtes lobend,dassMuch„[m]itgroßemNachdrucke[…]die BündigkeitseinertheoretischenDeduktion[verfocht],daßvonvornhereinnurmit germanischerHerkunft zurechnen ist“.Kralik:RudolfMuch[Nekrolog] (1936), S. 296.–Undangesichts desMangels anQuellenwirdMuchs „außerordentliche Kombinationskraft“betont,durchdiees ihmmöglichgewesensei,Erklärungenzu finden,„ohneeineinzigesBuchaufzuschlagen“.Höfler:RudolfMuch[Nekrolog] (1937), S. IXundS.XII. 62 Am nachdrücklichsten kritisierte der Verfasser des Etymologischen und des Ver- gleichendenWörterbuchs der gotischen Sprache (1923/1924), der deutscheLinguist SigmundFeist,MuchsThesen, woraufhinMuch ihnmit äußerst scharfen, anti- semitischen Polemiken bedachte. Vgl. Lund: Germanenideologie imNational- sozialismus(1995),S.46–47undS.97–99.–EinTeilderWienerAltgermanistik führtdieseFehdebis indie jüngsteZeit fort:HelmutBirkhanversahseineWiener HabilitationsschriftGermanen und Kelten bis zum Ausgang der Römerzeit noch 1970mitderWidmung„DemAndenkenRudolfMuchs“, demer attestierte, „in allenwissenschaftlichenBelangenvölligobjektiv“ansWerkgegangenzusein.Die Gegnerschaft des jüdischenWissenschaftlers Feist zuMuch erklärte Birkhanmit dessen „germanophober Einstellung“. Birkhan: Germanen und Kelten bis zum AusgangderRömerzeit (1970),S.55–56.–EinweitererWienerHöfler-Schüler, Hermann Reichert, griff im Jahr 2000 Allan A. Lund für dessen kritische Aus- einandersetzung mit Muchs Germanenforschung an, was ihm wiederum einen wohlwollendenKommentar Birkhans verschaffte. Reichert: Allan A. Lund,Die erstenGermanen[Rez.] (2000),bes.S.145–149;Birkhan:„Altgermanistik“und germanistische Sprachwissenschaft (2003), S. 158 (Anm. 145). IV.1. Altertums- undGermanenkunde 195
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
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