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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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würde die „Einzigartigkeit der Sitte“ freilich wegfallen und es müssten mehrere ,Wurzeln‘ ausgemachtwerden können. (Weiser 1923, 53) EinedieserWurzelnsiehtWeiser inder ländlichenSittedesMaibaums, der„inallenseinenFormenalsFrühlings-,Ernte-,Bau-undBrautmai[…] auffallendeÄhnlichkeit“mitdemWeihnachtsbaumzeige:Beide seienmit Bändern,Früchten,oft auchmitLichterngeschmückt.Dochobwohleine gemeinsameVerbreitungundähnlicheHandhabung„in soverschiedenen Gegenden […]Anhaltspunkte [gäben], daß beide Bäume zusammen ge- hören könnten“, so zeige sich auf den ersten Blick keine „innere Ver- wandtschaft“derbeidenBräuche,dasichbeimWeihnachtsbaumzunächst „keine[ ] Beziehung zumVolksglauben“ ausmachen lasse (imGegensatz zumMaibaum, der die „Vegetationskraft und Fülle, den Vegetationsdä- mon dar[stelle]“, das „Gedeihen“ sichere und „Geister“ vertreibe). „Ge- wißheit“, dass auchderWeihnachtsbaumeinemVolksbrauch entstamme, bringe, lautWeiser, dieAnalyse schwedischer undnorwegischerBräuche. (Weiser 1923, 59–60) Zu diesen zählt sie zumBeispiel die schwedische Sitte,zuWeihnachtenBäumeimHofaufzustellen.Vorallemim„Julrönn“, einer geschmückten Eberesche, die über die gesamte Julzeit auf dem Misthaufenverbleibe,zeigesich„dasMittelgliedzwischendemWintermai und dem eigentlichen Weihnachtsbaum“. Das schließt Weiser aus der Zusammenschau folgender Beobachtungen: Zum einen werde im nor- wegischenTelemarken ebenfalls eine Eberesche benützt, aber als tatsäch- licher, d.h. imHaus aufgestellterWeihnachtsbaum, zum anderen sei die Eberesche bei denGermanen immer schon heilig gewesen, da an ihr der Glaube hing, dass sie „gegen alle Arten bösen Zaubers schütze, daß sie gegenKrankheitenhelfe und […]besonders geeignet sei,Kraft undFülle zumehren“.Dadurch, dassman „die seit jeher bei denGermanenheilige Eberesche […] zuWeihnachten indie Stubeholte“, entwickelte sich eine „ArtWeihnachtsbaum“, der „imVolkundnicht in der Stadt“entstanden sei. (Weiser 1923, 61–62) KomplizierterwirdderFall,wie soll es auch anders sein, jedoch auch diesmal fürdieÜberlieferunginDeutschland.79HiergehtWeiserzunächst von demBrauch der Lebensrute aus.Darunter versteht sie das Berühren oder Schlagen eines Tiers, vonMenschen oder Bäumenmit einem (Se- gens-)Zweig, dessen „Lebenskraft“ dadurch übertragen werden soll. Da- durchdassdieseSitte,wiederMaibaumselbst,„Fruchtbarkeit,Gesundheit undGlück“sichere, sei sieWeiser zufolgemitdieseminhaltlich identisch. 79 Soweit sichdasausderArbeiterschließenlässt,verstandWeiserunterDeutschland einfach den gesamtendeutschsprachigenRaum. IV. LilyWeiser (1898–1987)202
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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