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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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nichtmehrganzverstandenwurden“. (Weiser1927,10–11)Mansieht,es gehtWeiser erneutumeineverschüttete, überformte (Ur-)Bedeutung,die es freizulegen gilt. Tatsächlich stammen die vorhandenen literarischen Quellen aus- schließlich aus dem 12. bis 15. Jahrhundert, nur Tacitus’Germania von 98n.Chr.bildeteineAusnahme.DiedazwischenliegendeLückevonüber tausend Jahren ist aber geradedieZeit, dieWeiser interessiert, denndiese bestimmt sie mit Andreas Heusler nicht nur als altgermanische Zeit, sondern auch als nicht-christlichen, nicht-römischen Kulturbegriff: Es geht ihr um „[d]as von der Kirche und antiker Bildung nicht greifbar bestimmteGermanentum“(Weiser1927,10).NebenHeusler,dem„wohl bedeutendsten Repräsentanten der deutschsprachigen Nordistik jener Jahrzehnte“96, rekurriertWeiser in ihrem Beitrag zur deutschen und nor- dischenAltertums-undVolkskunde, soderUntertitelderArbeit, sowohlauf die Germanisten KarlMüllenhoff und Rudolf Much sowie den Ethno- logenArthurHaberlandtals auchauf JakobWilhelmHauers ekstatischen Religionsbegriff,WilhelmWundtsvölkerpsychologischeSchriften,Arnold van Genneps Les rites de passage, Heinrich Schurtz’ Altersklassen und Männerbünde,HuttonWebstersStudienzuGeheimbündenin,primitiven‘ Gesellschaften undLucienLévy-BruhlsDasDenken derNaturvölker.97 In Fußnoten verweist sie aber auch auf denPsychoanalytikerTheodorReik, der „die unterbewußten Vorgänge im Seelenleben der Primitiven“ als Grundlageder„Pubertätsweihen“siehtunddiesewiederumals„feindliche HandlungenderVäter gegendie Jungen“deutet. (Weiser1927,22–23)98 Soweit zum wissenschaftlichen Kontext der Arbeit. Weiser geht im ersten Teil ihrerHabilitationsschrift ganz selbstverständlich und deshalb ohneErklärung von derVorstellung der „Tiefkulturvölker“99 aus, die ihr 96 Engster:Germanisten undGermanen (1986), S. 71. 97 ZuWeisers disziplinenübergreifendem Ansatz vgl. See: Das ,Nordische‘ in der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts (1983), S. 29–32. 98 Vgl. Reik:Die Pubertätsriten derWilden (1915/1916); ders.: ProblemederRe- ligionspsychologie (1919).–Weiser istmitReiksInterpretationfreilichnichtganz einverstanden und degradiert die Psychoanalyse zu einem wissenschaftlichen Fundbürooder,wennmansowill, zueinerQuellensammlungderSeele,wennsie schreibt, dassman „zwischen dem reichenTatsachenmaterial, das die Freud’sche Schule fürdasVerständnisdesprimitivenMenschenbietet,und ihrenDeutungen scheiden“ muss. Weiser: Altgermanische Jünglingsweihen und Männerbünde (1923), S. 23 (Anm. 18). 99 Unter ,Tiefkulturvölker‘ verstand man, zumindest theoretisch, nicht ein be- stimmtes Volk und auch keine bestimmte Zeit, sondern eine soziale Entwick- lungsstufe imBereich dermateriellenKultur.Nach dieserVorstellung sindTief- IV. LilyWeiser (1898–1987)208
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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