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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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dazu dienen, die Jünglingsweihen, die, wie sie behauptet, bei „fast allen Völkern“ vorkommen, in ihren „Haupterscheinungen“ zu skizzieren. (Weiser1927,12)AnhandGennepsWerkLesritesdepassage(1909)ordnet sie den Jünglings- oder Pubertätsweihen drei Hauptteile zu. Der erste bestehtausdemRitusderTrennung,beidemderKnabevonseinerMutter undseiner früherenUmgebungsepariertwird.Darauf folgendieRitender Zwischenzeit, in denen dieser „an geheiligter Stelle“, an einem „Geister- platz“,verschiedenePrüfungenbestehen,Quälereienerduldenmuss, indie religiösenundstaatlichenÜberlieferungenseinerGemeinschafteingeweiht wird, Disziplin und Gehorsam lernt, kultische Tänze auszuführen hat, beschnitten wird und vor allem Zugang zu Geistern und überirdischen Kräften findet. Der Jüngling ist in dieser Zwischenzeit, die einen „Aus- nahmezustand“ darstellt, „allen Einwirkungen geheimnisvoller Mächte preisgegeben“ und hält „Verbindungmit demWeltgeist“. (Weiser 1927, 15)Der letzte Teil besteht ausWeihe- undAnschlussriten, in denen der Knabe stirbt, als Jüngling wiedergeboren wird (bzw. sein Tod und seine Auferstehung symbolisch inszeniert werden), um danach wieder in die Gesellschaft integriert zuwerden.Diese Isolierungdes Jungendauert laut Weiser „zwischen einigenMonaten und mehreren Jahren“ und hat na- türlichdieFunktiondenKnaben„zumManne“zumachen. (Weiser1927, 12–13) AufGennep bezieht sichWeiser deshalb,weil er, wie sie betont, eine „ganz neue psychologische Grundeinstellung den Initiationsriten gegen- über“ an den Tag legt und „das religiöseMoment“, das den „Hauptbe- kulturvölkernichtmehrwiedieNaturvölker vollständigvonderNaturabhängig, sondernhabengelernt,aufdieseeinzuwirken,siehabendasPflanzensammelnzum Ackerbauunddie Jagd zurViehzucht entwickelt. Siewissenabernochnichts von Metallbearbeitungwie die ,Mittelkulturvölker‘ oder von der Schrift, die erst die ,Hochkulturvölker‘ erfinden. Dieser Begriff ist, wie weiter unten gezeigt wird, jedoch keineswegs egalitär gemeint, sondern beruht im Gegenteil auf einer KopplungvonEvolutionsbiologie undRassismus.DieEinteilung inNaturvölker undHalbkulturvölker (Tiefkulturvölker,Mittelkulturvölker, Hochkulturvölker) stammt von dem Geographen Friedrich Ratzel (1844–1904). – Weiser selbst möchte,wiesieschreibt,durchdieVerwendungderBezeichnung„Tiefkulturvolk“ zumeinen dasWort „primitiv“weitestgehend vermeiden, zumanderen kann sie mit „Tiefkulturvolk“ eine Art Zwischenstadium zwischenNatur undKultur be- zeichnen, umdas es ihr geht.Diese „Tiefkulturvölker“dienenWeiser dazu, „das Wesen“ der Jünglingsweihen undMännerbünde zu bestimmen, und diese Be- stimmungwiederum„alsbreiteUnterlagefürdieUntersuchungundFragestellung für die altgermanische Zeit“ zu verwenden. Weiser: Altgermanische Jünglings- weihenundMännerbünde (1923), S. 12. IV.3. Archaische Potenzfeiern als Ursprung der deutschenKultur 209
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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