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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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führungen, die Grundbedingung allen sozialen Zusammenlebens, der Errichtung vondifferenziertenGemeinschaften und auch vonStaaten. Ideologisch und politisch bedeutsam werdenWeisers Ausführungen amSchlussdes erstenTeils.Dortbehauptet sie,dass, „gleichgültig,welche Entwicklung das Staatsleben nimmt“, die „psychischen Kräfte“, die die ursprünglichen Jünglingsweihen in einemVolk freigesetzt haben, immer bestehenbleiben, sodass „ohnehistorischenZusammenhang[…]jederzeit aussichselbstherausneueVerbände[ge]schaffen“werdenkönnen.(Weiser 1927, 26–27) Diese angenommenen, ahistorischen und bei allen Völkern verbrei- teten „psychischenGrundlagen derÜbergangsriten und -weihen“ sind es auch,diedieVoraussetzungfürdenzweitenTeilderArbeitbilden,dennaus ihnenschließtWeiser,dassman„dieFrage“,ob„auchdiealtenGermanen eine Initiation undmit ihr in Verbindung kultische Verbände besessen“ hatten,„mit jabeantworten“muss.NachdemWeiserdiesesProblemdurch einen – auf derKonstruktion vonTiefkulturvölkern beruhenden –Ana- logieschlussfürsichgelösthat,widmetsiesichdemPunkt,„[w]ie[…]diese Einrichtung in altgermanischer Zeit beschaffen war“. (Weiser 1927, 28) Dafürbetrachtet sie sowohl „SüdgermanischeBündeundWeiheriten“bei denChattenundHariernalsauchdie„NordischeÜberlieferung“,hiervor allemdie Berserker, die aber, wieKlaus von See 1981 nachgewiesen hat, überhaupt nie existiert haben.101Für den Süden bezieht sichWeiser – in Ermangelung andererQuellen – ausschließlich auf dieGermaniadesTa- citusundzwarnuraufdieKapitel13,20,31,38und43,da sichdort,wie Weiserbetont, „eindeutigeZeugnisseüber Jünglingsweihen,Altersklassen undVerbändebei den altenGermanen“ finden lassen. (Weiser 1927, 31) Zunächst sucht Weiser aus verstreuten Textpassagen Hinweise und Eigenschaften zusammen, die ihres Erachtens eine altgermanische „Jung- mannschaft […] ziemlich deutlich hervortreten“ lassen. Aus Kapitel 20 liest sie, dass Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten gemeinsam aufwuchsen, nackt gingenund erst im Jünglingsalter nachKnechtenund Freiengetrenntwurden;derFreieerhieltdaraufhineineWaffe.Kapitel13 wiederum zeigt Weiser, dass der Knecht zu Hause blieb und der Freie fortzog,undinKapitel38wirddavonberichtet,dassdiefreienSwebeneine besondere Haartracht hatten. Aus diesen kurzen und teilweise weit aus- einanderliegenden Bemerkungen schließt Weiser, dass es bei den alten GermanenerstenseinenMännerbund,undzwardenderJungmannschaft, gab; zweitens, dass es sich bei derÜberreichung derWaffe um „eine fei- 101 See: Exkurs zumHaralskvaedi: Berserker (1981). IV.3. Archaische Potenzfeiern als Ursprung der deutschenKultur 211
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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