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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Geisterwelt, deren Rolle sie spielten“, galt. (Weiser 1927, 39–40) Es ist also nach Weiser „wahrscheinlich“, dass neben den Chatten auch „die HariereinenreligiösenVerbandgebildethaben“.Unddasieaußerdem„die Kerngruppe“desHeers darstellten, „läßt sich schließen, daß sie auch die Jungmannschaft feierlich weihten“. (Weiser 1927, 41–42) Zusammen- gefasst lässt sich sagen, dassWeiser aus vereinzelten Stellen derGermania eine Konstruktion entwirft, nach der die Germanen im 1. Jahrhundert n.Chr. „Kriegerbünde […]mit religiöserGrundlage“bildeten, diese „die ErziehungdermännlichenJugend inderHand“hatten, alsodifferenzierte Männerbündemit Jünglingsweihen zu ihremGesellschaftssystem gehör- ten. (Weiser 1927, 43) Dass Weisers Interpretation der Germania einer Feinanalyse nicht standhält, wurde schon zeitgenössisch angemerkt. Jost Trier schrieb in seinerRezension von1929, dassWeiser „imanalogisch erschlossenen, im reich der vermutungen“ verweile und dass „vieles […]mehr geahnt als bewiesen“ sei.104AuchHarald Spehr ging 1931 in seinem umfassenden Literaturbericht zum „Frühgermanentum“ auf Weisers Habilitations- schrift ein. Er urteilte, dass Weiser „Tacitus […] nach einer kühnen Konjektur ausleg[e], deren Berechtigung man anzweifeln kann“, über- haupt war er der Ansicht, dass „Jünglingsweihe und Männerbund als kultische Einrichtungen […] bei den Germanen keine Rolle gespielt“ haben.105InderForschungsliteratursetzenmitBezugaufWeisersArbeit in den1990er JahrensowohlAllanLundundAnnaMateevaals auchMischa Meier auseinander, welche Bewandtnis es mit der lateinischen Text- grundlage hat, über die gerade imHinblick auf die vonWeiser herange- zogenen Stellen bis heute Unklarheit herrscht. Für Lund undMateeva warenWeisers Interpretationen auf dieser Basis schlicht unhaltbar,Meier setzte inTeilenzueinervorsichtigenVerteidigungan.106FürdenErfolgder Germanenkunde der späten 1920er Jahre und der Folgezeit war es aber unerheblich, obWeisers Germanenauffassung ein Phantasiegebilde dar- stellte oder, wie sie selbst schreibt, einem „Analogiezauber“107 entsprang. 104 Trier: Lily Weiser, Altgermanische Jünglingsweihen und Männerbünde [Rez.] (1929), S. 3–4. 105 Spehr: Literaturberichte. Frühgermanentum (1931), S. 108. 106 Lund/Mateeva: Gibt es in der Taciteischen ,Germania‘ Beweise für kultische Geheimbündeder frühenGermanen? (1997);Meier:ZumProblemderExistenz kultischerGeheimbünde bei den frühenGermanen (1999). 107 Dieser Begriff Weisers findet sich in der Zusammenfassung amEnde derHabi- litationsschrift. Weiser: Altgermanische Jünglingsweihen und Männerbünde (1927), S. 84. – JostTrier hegt in seinerRezensionüberhauptZweifel, obWeiser IV. LilyWeiser (1898–1987)214
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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