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Verkehrte Leidenschaft - Gleichgeschlechtliche Unzucht im Kontext von Strafrecht und Medizin
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403 X. Schlussbetrachtung Elisabeth Greif • Verkehrte Leidenschaft ¶ » Verführer « und » Verführten « an, zeichneten Bilder jener ungünstigen Lebensumstände, die zu den unzüchtigen Handlungen geführt hatten, oder die die Folge einer Verurteilung wegen Unzuchtshandlungen wa- ren. Auch sexualwissenschaftliche Wissensbestände flossen in Gnaden- gesuche ein. Da diese in der Regel von medizinischen und juristischen Laiinnen und Laien verfasst wurden, fanden sie sich dort meist in Form von popularisiertem Wissen oder von Alltagswissen. C. Von der Bedeutung des Geschlechts der Unzüchtigen für Wissen und Sprechen Im Verlauf eines Strafverfahrens eröffneten sich den einzelnen Akteu- rinnen und Akteuren verschiedene Sprechsituationen. Die konkreten Aushandlungs- und Verhandlungsprozesse darüber, wie » Unzüchtiges « innerhalb der einzelnen Sprechsituationen gedeutet wurde, wurden von unterschiedlichen Bedingungen bestimmt. Einfluss darauf, welche Sprechsituation von einer Akteurin oder von einem Akteur im Rahmen eines Unzuchtsverfahrens konkret genutzt werden konnte, hatte nicht zuletzt das Geschlecht der betreffenden Person. Hegemoniale Vorstel- lungen von Männlichkeit und Weiblichkeit prägten nicht nur die Straf- rechtsreformdebatten und den sexualwissenschaftlichen Diskurs. Sie erwiesen sich auch für eine gutachterliche Praxis als bestimmend, die bei weiblichen » unzüchtig Handelnden « kaum je eine konträre Sexu- alempfindung annahm und ihnen daher selten – in den untersuchten Verfahren sogar nie – die Möglichkeit einräumte, sich im Rahmen ei- ner sachverständigen Begutachtung zu äußern. Umgekehrt trugen die herrschenden Geschlechterverhältnisse und die darin eingeschriebe- nen unterschiedlichen ökonomischen Bedingungen und Machtstruk- turen dazu bei, dass auch jene Sprechsituationen, die im Prinzip allen Beschuldigten offen standen, geschlechtsspezifisch unterschiedlich ge- nutzt wurden. So machte etwa während des gesamten Untersuchungs- zeitraums keine einzige weibliche Beschuldigte von der Sprechsituation Gebrauch, die durch das Erheben eines Rechtsmittels oder durch das Stellen eines Gnadengesuchs eröffnet wurde. Die einzelnen Sprechsituationen im Rahmen von Strafverfahren zu beleuchten erhellt nicht nur, wie sich materielles Strafrecht und Strafprozessrecht in konkreten Verfahren auswirkten, wie sie zur In- szenierung von Recht beitrugen und wie sie das Sprechen der Strafver-
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Verkehrte Leidenschaft Gleichgeschlechtliche Unzucht im Kontext von Strafrecht und Medizin
Aus- und Verhandlungsprozesse vor dem Landesgericht Linz 1918 – 1938
Titel
Verkehrte Leidenschaft
Untertitel
Gleichgeschlechtliche Unzucht im Kontext von Strafrecht und Medizin
Autor
Elisabeth Greif
Verlag
Jan Sramek Verlag
Ort
Wien
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7097-0205-5
Abmessungen
15.0 x 23.0 cm
Seiten
478
Kategorie
Recht und Politik
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