Seite - 144 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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Auf dem mit ihm zusammenhängenden Plätzchen, Ka-
paunplatz genannt, entfaltet der Wildpretl'ändler die Wild-
schätze der Flache und des Hochgebirges: Nelie lind Hirsche,
Gemsen und Hasen, Auer-, Neb-, Birk-, Stein- und Hasellnil,-
ner, und in gleicher Weise legt auch die Geftügel'.'iel'schlächtc-
rinn hier ihre 5^apaune und wälschen Hühner, Gänse und Aen-
ten, Poulards und Hühnchen mm Verkaufe aus.
Biegt man um die Ecke der Franciscanerkirche herum,
so siebt man sich an den Buden der Fleischer, die am Ein-
gänge in das so bezeichnend benannte tälberne Vierte l in
langen Reihen ihre Waare darbieten und durch ihr friedliches
Nebeneinandersein an die Zeiten des Mittelalters erinnern, in
denen iedem Gewerbe sein besonderer Stadttl'eil angewiesen war.
Aus dem Ursul inerplatze, der mittelst des ersten Sa-
ckes mit dem Hauptwachplatzc zusammenhangt, steht die Kirche
der Ursuliner-Nonnen, deren Kloster die zweite und der statt-
liche gräflich Attems'schc Pallast die dritte Seite des Platzes
bildet, während die vierte das niedliche Hol^gitter eines kleinen
Gartens einfaßt, worüber sich die Aussicht nach dem Schloß-
bergc öffnet, der hier steil nun Uhrtlnirme emporsteigt. — Die
vom Hauptwachplatze und dem Lugeck weg, wo die Lastträger
(Eckensteher) ihren Platz haben, sanft ansteigende Sporgafsc,
die sich weiter oben rechts in die Hofgasse spaltet, und durch
die Paulusthorgasse fortsetzt, führt durch die erstcre auf den
Franzensplatz und durch die letztere auf den Karinel i tcr-
platz, der den höchstgelegenen Thcil der Stadt einnimmt.
Tiescr ist sehr geräumig, bildet ein längliches Viereck,
an dessen westlicher Seite hinter einer Reihe ansehnlicher Ge-
bäude der Schloßberg in seiner gainen Länge mit allen seinen
Bauten und vielen seiner Anlagen sich dem Auge darstellt, wäh-
rend im Norden das Militärspital (Nr. 6 l ) und das gräflich
Herberstein'sche Haus (Nr. 62) die Aussicht auf den Schöckel
verstellen, der aber sogleich in seiner ganzen Herrlichkeit sich ^eigt,
als man die Ecke des letzleren Gebäudes umgangen l'at. Auf
ihm haben ;ur Feit der Jahrmärkte die Juten ilne Verkaufs-
platze angewiesen, an denen sie in leichten Bretterbuden ibre
eben so leichte Waarc feilbieten. Außer der Iahrmarkis,eit ist
der Platz einsam. Eine hol;>.'erkleidete Toppelpumpe und einige
Einspänner der hiesigen Landkutscher sind dann die eimigen Ge-
genstände der Aunnerksamkcit auf dieser dem Anfalle der Nord-
winde vor Allem ausgesetzten Hochfläche, deren Steinpflaster an
vielen Stellen üppiges Gras übenieht. Der Karmelitcrplatz lag
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918