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am Waascn stammen, sieht man die Iahres'alil 1?<>9
welche sich auch in den Fenstern zeigt. Der Ofen ist alt,
Stühle und Vctpult sind neu, aber auch im Style des Mit-
telalters gezeichnet. Auf dem Altare befindet sich ein großes
Vild der altdeutschen Schule auf Goldgrund vom I. 1475,
Christus am Kreuze «wischen den Schachern, von einer großen
Menge von Kricgsobristen, Hohenpriestern und anderem Volke,
und der Gruppe von Frauen, welche die im tiefsten Schmerle
dahingesunkcnc Mutter des Heilandes stützen, umringt. Diese
Holztafcl, welche sonst in der Kirche hing, gewährt dem For-
scher des Mittelalters eine reiche Ausbeute von Trachten und
Rüstungen, und dem Kunstfreunde einen hoben Genuß durch
Anordnung des Ganzen, Grnppirung der zahlreichen Volkshau-
fcn, Mannigfaltigkeit der Physiognomien und alle Eigenhei-
ten derjenigen Maler unsers Vaterlandes, welche keine Gele-
genheit hatten, Italien zu besuchen.
Dieselbe Stcintreppe, welche aus der Kirche herausführt,
geleitet, an den bekannten Selbstlauten K. Friedrichs IV. und
der Iahrszahl 1H62 vorüber, in das zweite Geschoß und in
eine über der elfteren liegende offene Kapelle, die an der De-
cke alte Fresken und über dem nackten Steintifche des Altars
den heil. Abt Romuald zeigt, der einen vor ihm knienden
iungcn Ordcnsmann segnet und ihm den Bischofsstab darreicht.
Nngeacbtet scwol die Hauptfiguren, als auch die ganze sie
umgebende Mönchsschar in weiße Ordcnsgewänder gekleidet ist,
zeigt das Vild doch eine ziemlich gute Haltung. Auch diese
Kapelle bildet zugleich eine Empcrkirchc des Domes ' ) .
Auf der entgegengesetzten Seite des Chors führt in dem
Winkel, mittelst dessen sich das Schiff an das Chor anschließt,
eine alte ursprüngliche Wendeltreppe unter das Dach empor:
doch wird diese Seite durch den plumpen neueren Anbau der
Sakristei mit ihren dicht vergitterten Rundbogeufenstern gewal-
tig entstellt.
Im Schiffe der Kirche stehen zwei 3hüren an der Mit-
tag- und Mitternachiseite einander gegenüber, die aber erst viel
spater gebrochen worden sind und aller jener Beigaben ent-
behren, durch die sonst der altdeutsche Baustul diese Gcbäude-
theilc so anziehend und malerisch zu machen versteht; zur cr-
») Fremde, welche die crsscrc Kapelle zu sehen wünschen, baden sich an Lcn
Hrn, Thürslehcr d>-5 Gubcrnia! -'pra!,dmn,5 zu wenden, der auch d,e ^
Schlüssel zur Vurgkapcllc ,u scmcr Verwahrung hat. H
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918