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aber auch bedeutende Gebrechen. Die Gruppe der Cngel ent-
wickelt so kühne Verkürzungen und so höchst anmml'ige Be-
wegungen, daß man den Maler von Talent daran ans den
ersten Blick erkennt. Tic Köpfe der Apostel beurkunden ein
fleißiges Studium der Natur, und die Mannigfaltigkeit ihrer
Gebärden so wie jene des Ausdrucks von Staunen und Ver-
wunderung einen Mann, der viel mit dem Volte und un-
ter ilnn gelebt hat; die Wahl der Farben endlich, die Vcr-
thcilung des Lichts und die Haltung des ganzen Bildes zeu-
gen von Geist und einer gründlichen Kenntnis, des Colorits
und Helldunkels. Andererseits aber verrat!' die gezierte und eben
auch nickt ästhetische Stellung der Madonna wenig Gefühl
für Schicklickkeit und Anstand; die Uebertreibung und das Ge-
zwungene und Gezierte in den Stellungen der beiden göttli-
chen Personen und die Härte im Faltenwurfe bezeichnen ihn
als den Führer der Manicristen in der Schule seiner Vater-
stadt. — Das andere Bild zeigt uns den in der Moldau er-
tränkten Beichtvater der Königinn von Böhmen und Gemal'linn
Weisels des Trägen, Iodann von Nepomuk, in den Volten,
welcher von einigen Engeln gestützt und empcrgctragen wird.
Die Zeichnung des Nackten an dem größten der Engel ist mu-
sterhaft, die Carnation warm und naturgetreu, die Formen der
schönen Glieder sind sehr gewählt und der Ausdruck im Ant»
liy des Heiligen unglaublich sprechend. — Am zweiten Pfeiler
der rechten Seite des Schiffes hängen ein heil. Franciscus Sc-
raphicuo aus der Caraccischen Schule, und am drillen ein treuz-
tragender Elnistus des am 23. Juli 1838 verstorbenen Gallcrie-
Tirectors I. Start; beide Bilder sind ein Vermächtnis« dessel-
ben '). — Unter den Grabsteinen dieser Kirche ist nur derjenige
beachtungswcrth, welcher sich Zwischen dein rechtseiligen Eingange
und dem Johannes-Altar befindet und die letzte Ruhestatt des
früher erwähnten Priors A. Butzcl bezeichnet, der am 4. No-
vember 1592 starb, Kehcrrichter war und von dem die Sage
geht, daß er gewaltsam getödtet worden sei. — Ferner darf in
der Sakristei auch noch ein I^cce Homo nicht übersehen wer-
den, das von einem sehr achtbaren aber leider unbekannten
Künstler zu sein scheint. — Auf dem Hochaltare und einigen an-
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918