Seite - 195 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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des im I. 1549 '.'erstorbenen Herrn und Ritters Christoph «on
Windischgrätz zu Naldstcin von rothcm Marmor, welcher in die
Seitenwand der linken Seite dem Altare zunächst eingerahmt
ist. Man sieht einen gan, geharnischten knienden Ritter, der
eine lange Turnierlaine mit der rechten Hand halt, dem seine
getreue, ihm 155! im Tode nachgefolgte Hausfrau, in lange
faltenreiche Gewänder süchtig gehüllt, gegenüber kniet.
Die Kirche erhielt im I. 1829 ein neues Geläute von
sechs Glocken, deren größte ein Gewicht von 36 Zentnern 35
Pfund hat, welche die Stimmung im ^ ^ur Treitlange haben.
ee) Die Kirche zum heil. Paul.
Aus der Mitte der steilen Spcrgasse, der Einmündung der
Hcfgasse gegenüber, führt im Haui'e Nr. 93 eine offene breite,
durch ein Portale ausgezeichnete Stcinstiege in mehren Absätzen
in eine säulengestützte Halle und ni einem offenen Hofraume
empor, der einen kleinen Vorsprung des Schloßberges einnimmt.
Auf ihm steht ncck heut ;u Tage, wie vor Jahrhunderten, ein
Gotteshaus, das in alten Zeiten den Namen St. Paul im
Walde oder am Berge führte, und später die Kirche der
Augustiner auf der Stiege hieß. Sie soll nächst der im
I. 1899 durch die Franzosen Zerstörten dem heil. Thomas
geweihten Kapelle auf dem Schloßberge die älteste Kirche von
Grätz sein, lieber den Zcitpunct der Gründung der ältesten
Kapelle, die einst hier gestanden, schweigt die Geschichte gänz-
lich. Vom Jahre 1348 bi5 1493 soll hier nach Einigen die
eigentliche Pfarrkirche bestanden haben; allein dem konnte nicht
so gewesen sein, da erst im I. 1358 hier eine Kaplanei, die
erste und einüge, vom Pfarrer Hermann ni St. Aeg'.'dcn ge-
stiftet wurdet; wol aber wurde die Stattpfarre während des
Baues der Domkirche von 1450 — 1493 einstweilen hierher
verlegt. — Um das Jahr 1432 stand die St. Pauls-Kapelle
unter dem Patronate des Landcsfürsten. Als unter Herzog
Karl II- die neue Lehre der Kirchen-Reformatoren auch in
Gratz Wurzel schlug, soll diese Kapelle von den Bürgern, wel-
che ihr anhingen, zu ihrer Kirche bestimmt worden und im
Besitze der Protestanten bis zum Jahre 1588 verblieben sein,
in welchem Herzog Karl II-, K. Ferdinands II. glaubenseifri-
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l) Auch noch üarum nickt, weil noch Wilq vom I !?«> als Pfarrer unV die
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lurss!,chcn Patronate, allem nur darum, weil der Stüter l>er Kapla-
ne>, 0er Pfarrer Hermann, es so forderte.
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918