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Die Kapelle liegt ;ur ebenen Erle innerhalb des Klo-
stergitters, gleicht einem großen Vctsaalc und ist init zwei Al-
tären «ersehen. Auf dem Hauptaltare ist das gut geinalte Vild
des heiligen Vincen; von Paula, der einem Armen Ärot dar-
reicht; ein Bruststück in der Art eines Porträts ohne alle
poetische Auffassung des Gegenstandes, die Arbeit eines jungen
Palcrmitanerö Zpalorno, und das Geschenk Ilirer königl. Ho-
heit der Frau Henoginn '.'cn Verry, auf deren Kosten der
Künstlei sich jetzt auf Reisen befindet. Dafür besitzt der kleine
Scitcnaltar ein bockst interessantes älteres und kleineres Vild
der unbefleckten Empfängnis; Maria von einem unbekannten
Maler. Einfachheit der Anordnung, gründliches Colorit und
correctc Zeichnung, Adel der Gestalt und Innigkeit des Aus-
drucks lassen an ihm nur wenig ;u wünschen übrig.
Die Vurgta pelle, die sich in jenem Stockwerke der
Burg befindet, welcher der Provin,ial-Vaudireclion angewiesen
ist, stammt aus der Ncgierungszcit der Herzoge Karls II. und
seines Sohnes Ferdinands l l , , deren Haus- und Hoskapelle
sie gewesen ;u sein scheint; gerietd später in Verfall und Ver-
gessenheit, wurde erst durch Se. Ercellen; den kunstsinnigen
Herrn Gouverneur M. E. Grafen von Wickenburg, nachdem sie
durch den Maler Nagl,er im I. 1841 gereinigt worden war,
wieder in ilne ursprüngliche Gestalt gebracht, ihrer früheren
ehrwürdigen Bestimmung wieder Zurückgegeben und endlich in
Gegenwart der beiden jetzt regierenden Majestäten am 20.
August desselben Jahres von dem Fürstbischöfe von Scckau
feierlich eingeweiht. Sie gewäbrt in ihrer durchaus alterthüm-
lichen Einrichtung einen waln'liaft woliltbuenden Eindruck.
Man betritt nierst ein dunklem Vorgcmach, das scin Acht nur
aus der Kapelle selbst durch eine über der Thüre frei gelassene
ouale Ocffnung empfängt. Scwol die doppclftügelige Thüre
als die darüber angebrachte Oeffnung sind mit vergoldetem
überaus reich gearbeiteten Hol^ schnitzwerk bedeckt, dessen braune
Farbe gegen das glainendc Gold recht gut absticht, und dessen
Arbeit ebenfalls einen tüchtigen Künstler verräth. Noch bedeckt
das alte, ursprüngliche Marmorgetäfel dcn Fußboden, noch
überwölbt das reich in Stucco gearbeitete Tonnengewölbe den
geweihten, feierlich stillen Raum, und die Wände bedecken noch
dieselben in Oel auf die Wand gemallen Vilder von ausge-
zeichneter Schönheit, auf denen vor ',wei Jahrhunderten die
Blicke Ferdinands und seiner frommen Gaitinn und Mutter
ruhten. Die herrlichen Glasgemälde, in denen sich die Hcili-
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918