Seite - 227 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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ren Gesclwßen eng vergitterten, in den zwei oberen Stockwerken
gepaarten und über dem Haupieingange noch zahlreicher zu»
sammengedrangten Nundbogcnfcnster; durch den eingedachten,
schwerfälligen Steinbalkon, der sich über dem Thorbogen vor
den Fenstern des zweiten Geschoßes dahinzieht; durch die offe-
nen, schwanen Fcnsterhöhlungen des dritten Halbgeschoßes, die
aber schon dein Dachboden angehören; durch die glasirten, mehr-
farbigen Ziegel des steilen Dache«; durch das kleine mit Wind-
fahnen verzierte Uhrthürmchen am hohen Firste und den dü-
stern Ernst des ganzen stattlichen Vaucs noch recht lebhaft in
die aufgeregten Zeiten des sechzehnten und siebzehnten Jahr-
hunderts zurückversetzt. Diesen Eindruck erhöht noch jene schwar-
ze, in einem Rahmen gefaßte Hclztafel aus dem Jahre (W.
Febr.) 1588, die neben den Eingangsthoren beider Fronten
zu schauen ist, und die Form und Inhalt, durch ihr genial-
tes Schwert und die halbverbliclienc Inschrift: »Icderman mit
„Strafe an Leib und Leben bedroht, der sich untersteht in
„diesen: hoch befreiten Landhaus zu rumoren, die wehr, Tolch
»oder Vrcdmcsscr ',u zucken, zu balgen und zu schlagen, gleich-
falls mit andern Wehren umgedühr zu üben oder Maulstreich
„ausuigeben." Hierdurch werden wir unwillkürlich in iene
Zeilen zurückversetzt, in denen in diesem geräumigen Gebäude
— welches damals noch wenige ständische Amtslocalitäten hatte,
mit denen es ietzt fast ganz erfüllt ist — nicht selten Hcchzeits-
Feierlichteiten ausgezeichneter Personen abgehalten, oder die
Landständc auch zu Geschäftsverhandlungen von ihrer zahlrei-
chen Dienerschaft begleitet und, wenn auch gerade nicht im-
mer die Herren, so doch leicl't die Diener, in Zank und Hader,
Hantel und Raufereien verwickelt wurden.
Das Innere des Landhauses ist auch nicht ohne mancher-
lei Sehcnswcrlhem, wenn gleich Einiges davon, wie z. V> der
vordem in der Vurg aufbewahrte Henogshut, das Testament
Herzogs Ottokar des letzten Traungaucrs, der kunstvoll gear-
beitete Vechcr, der steiennärkische Landschadenbund genannt :c.,
nur den höchsten Standespersonen gezeigt werden. — Einen schö-
nen Anblick gewähren gleich beim Eintritte in den ersten Hof
zwei Seiten desselben durch die dreifach übereinander gestellten
Reiben von Vogengängen dorischer Ordnung, durch ihre strenge
und doch reine Zeichnung, wie man sie in andern neueren
Gebäuden der Stadt vergebens sucht. Ein nicht minder er-
freuliches Kunstwerk ist in demselben Hofe auch die eherne
Vrunnenlaube, das einzige öffentliche Kunstwerk älterer Zeit,
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918