Seite - 247 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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welche das Jahr seines Umbaues angibt. Aus einem runden
Fensterclien zunächst unter dem Dachgesimse drangt sich, dräuend
mit Schwert und Schild, ein hölzernes Türtenbild heraus, an
das sich folgende durchaus unverbürgte Sage knüpft. Drei
Iabrc nach der vergeblichen Belagerung Wiens scll (1532)
ein Sckwarm von 4<!M) Türken unter der Anfülnung Ibra-
him Paschas bis nach Grätz vorgedrungen sein. Die Bürger,
unvorbereitet und überrascht hätten die Stadt verlassen, sich
in das Schloß zurückgezogen und die Feinde jene besetzt. Hier
scll der türkische Heerführer gewohnt, hier soll ihm eine Ka-
nonenkugel vom Tchloßbergc herab, der von den Bürgern auf
das nachdrücklichste vertheidigt wurde und den er nicht erobern
konnte, den Braten aus der Schüssel geworfen und diese un-
willkommene Störung ihn zum Abzüge mit der Acußerung
bestimmt haben: „Die Stube chne Ofen (die Stadt chnc
Schloßberg) nütze nichts." Aus Nacht habe Ibrahim Feuer
in die Stadt geworfen, welches einen Thcil derselben und das
erst neu erbaute Landhaus einäscherte; zum Andenken an diese
Begebenheit soll dieses Wahrzeichen errichtet worden sein. —
Allein der Glaubwürdigkeit dieser Sage steht entgegen, daß
die vielen ständischen gleichzeitigen und späteren Schriften auch
nicht mit einer Svlbe dieses Brandes erwärmen; nirgend eine
Spur desselben sich zeigt; ja an den Außenwänden des Domes
sogar unversehrte Gemälde aus früheren Zeiten ohne einige
Spur eines Feuers bis auf unsere Tage sich erhalten haben').
— Hinter diesem Pallaste zieht sich ein zu ihm gehöriger recht
angenehmer Garten den Schloßberg binan.
Diesem Gebäude stelu der sogenannte Eselsstall (Nr.
54) gegenüber (siehe S. N6) ; in der benachbarten Hofgasse
ist das Haus Nr. 47 darum bemerkenswert!), weil hier einst
und noch 1728 das kaiserliche Münzamt war; neben demselben
sind thcils in dieser Gasso und theils am Frainensplahe zwei
hübsche, große neue Häuser, in deren letzterem (Nr. 43) sich
gegenwärtig das adelige Casino befindet.
Am Karmelicerplatz sind mehre alle stattliche Gebäude,
die einst auch, wie fast alle größeren Häuser der Stadt, den
hechadeligcn Familien des Landes gehörten, so z> V. das Haus
Nr. 59 zur Zeit der Erbhuldigung K. Karls VI. dem Max
Grafen von Schrattenbach, und Nr. 60 Sr. Excellenz dem
Georg Wilhelm Grafen von Gallcr; das Haus Nr. 62 war
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Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918