Seite - 264 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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Prediger der Protestanten aus der Stadt und in weiteren acht
Tagen aus sämmtlichen Erl'landeu bei Verlust des Leides und
Lebens '.»erwiesen; über 49,Uli« Vüchcr derselben ohne Gefahr
für die öffentliche Sicherheit confiscirt und öffentlich verbrannt;
die ersten Geschlechter des Landes, welche der Deformation an-
hingen, auszuwandern genö'tl'iget werden tonnten und so im
Laufe weniger Jahre kein Anhänger der Kirchen-Reformation
diese öffentlich ,u bekennen wagen durfte. Von da an war
die Lehre der Reformation durch einen langen Zeitraum aus
Grätz gämlich '.'erbannt. Erst im Laufe der Zeit siedelten sich
nach anderthalb Jahrhunderten unter der Aegvdc humaner (be-
sehe wieder einzelne protestantische Familien von Ausländern
in Grätz an, und meinten sich nach und nach in der Art, dasi
sie im zweiten Iahnchend dieses Jahrhunderts zahlreich ge-
nug waren, um nach dem Tolcrainpatcnte die Bitte au den
Stufen des Thrones niederlegen ui können, eine eigene Pfarr«
gemeinde mit einem besonderen Vicariate bilden <u dürfen,
welche mit allerhöchster Entschließung aus kaibach'vom 18.
Februar 1821 allergnätigst bewilligt wurde. Der erste Got-
tesdienst nach lutherische»: Ritus wurde in Grätz, nach einer
Unterbrechung von zweihundert und drei und zwanng Jahren,
im Saale der Musikgesellschaft am 1. Jänner 1^22 wieder
abgehalten, hierauf die Versaminlung in die Pauluskirche '.'er-
legt (^ siehe S. 196), dann sofort zur Erbauung eines neuen
^ethauses geschritten und in diesem die erste gottcsdienstliche
Feierlichkeit durch den hockw. Herrn Superintendenten des
k. k. Consistoriums A. Konfession Joseph Wächter am 10. Ok-
tober 1^2-4 abgehalten. Seitdem hat diese bei 69!) Individuen
umfassende kirchliche Gemeinde ihren eigenen Seelsorger, eine
besondere Schule und ihr eigenthümliches Vethaus: Anstalten,
die sämmtlich von der Gemeinde selbst unterhalten werden
muffen und die alle unter einem Dache vereinigt sind.
Das Letztere, mit zwei Stockwerken über dem Erdge-
schoße, unterscheidet sich äußerlich nicht von einein Privat-
hause. Es hat keinen Thurm, kein Portale, kein Geläute und
auch keinen andern architektonischen Schmuck, als am Dache
eine Art kleinen Aufsatzes für eine Ilhr, die aber auch fehlt.
Das Gebäude steht ringsum frei ninäckst dem HoUplatze und
dem großen Glacis, und wendet die Kehrseite, welche durch
ihre höchst unregelmäßig uertheilten ungleichen Fenster sehr
unerquicklich anzusehen ist, einem mit einer Mauer umfange-
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918