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Der Dominikaner-Kaserne gegenüber und von ihr nur
durch die Grenadiergassc getrennt, befindet sich die sogenannte
Waisenhaus-Kaserne (Nr. 87 1). Sie war einst ein groß-
artiges, im Ialnc 1679 von Mathias von Schäffenburg ge-
gründetes Waisenhaus, zu dem er am 4. Februar auf seiner
eigenen Besitzung den Grundstein legte. Dieses l'öchst woblthä-
tige Institut wurde durch andere Stiftungen in den Jahren
1683, 1736, 1738 nnd 1768 vergrößert, im Ialne 1769
durch die Ucbertragung der sogenannten Pruggcr'schen Stif-
tung noch vermehrt und so bis auf 90 Knaben und 6» Mäd-
chen gebracht. Am 11. April 1766 mußten aber die Waisen
von hier in die Färbergasse übersehen (siehe S. 234) und
das Haus den Soldaten einräumen. Idr benachbart, aber
mit dein Eingange in der Feuerbachgasse, liegt die kleine
Waisenhaus-Kaserne (Nr. 872). — Diese Gasse hat ihren
Namen von der bereits früher (S. 46) erwähnten, derzeit
durchaus eingedeckten Wasserleitung, deren Bestimmung schon
der Name angibt. Demselben Zwecke dient auch der breite
Müdlgang (S. 45), welcher in diesem Viertel die große Ncßl-
mühle (Nr. 768) in Bewegung setzt.
Auf dem Gricsplatzc liegt die dem heil. Franz de Paula
gcwcibtc wälsche Kirche (Nr. 1051), so genannt, weil hier
in früheren Zeiten die Italiener iliren Gottesdienst hatten.
Sie hat einen kleinen, aber niedlichen Ilhrtdurm, und auf
den drei Altären ein Paar gute Bilder. Das beste enthält
der Hochaltar, welches den heil. Franz in der Kleidung des
von ihm gestifteten Minimen-Ordens mit ehrwürdig hcrab-
wallcndem Tilberbarte darstellt, vor der Brust das Wort ,,<^!>ll-
i-iinz- mit einer Glorie und neben ihm den Erzengel Micl'ael.
Das Gemälde ist von Neinp, gut erdalten und von ausge-
zeichnet guter Composiiion, Zeichnung und Färbung. — Der
rechte Seitenallar ieigt den Tod des h. Joseph und der linke
den Neltheiland zwischen den beiden Schachern am Kreuze.
Auch die Decke enthält einige Fresken, Darstellungen von Er-
eignissen aus dem Leben des beil. Kirchenpairons.
Auf demselben Platze befinden sich auch mcdre Gast-
und Einkchrhäuser, als: zum rothen Kreuz (^Nr. 950) und
zum goldenen Adler (Nr. 1U50).
Durch eine Seitengasse desselben gelangt man zum Ar-
beits- (Nr. 1024) und Siechenhause (Nr. 1025), deren
elfteres ein eigenes Waschhaus (Nr. 102Z) hat. Der älteste
K Thcil des Hauses wurde durch die allerhöchste Resolution K.
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918