Seite - 300 - in Grätz - Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
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Karls VI. vom 1l. April 1724 ',u einem Armenkause um-
gebaut und erl'ielt erst am (5ndc ^^> «rrigen Jal'rl'underts
seine gegenwärtige Bestiinmung. Tcr neue, bis jetzt noch un-
bcwolmte schöne ,vlügel des Gebäudes wurde im I. l">4l mit
einem Kostenauswaude von ,^i,U0>> ft. ss. M. von der Stadt-
gemeinde erbaut.
Tic Kirche, welche sich in diesem Hause befindet, wurde
am 24. August 1731 durch den Bischof von Seckau, Jakob
(5rnest Fürsten von !.'ichienstein, eingeweiht. Sie dat füns Al-
täre, deren ;wei gute Altarblaiter haben, nämlich der rechte
Scitenaltar den keil. Fran! Xaver und jener der linken Seite
den I'cil. Ignatius. Die Alittc des Hoseö nimmt ein weiter,
von hochstämmigen Bäumen überschatteter Raum ein, der den
Vewobnern zur Orl'olilung dient.
Unter den übrige» Anlagen und Gebäuden dieses Vier-
tels verdienen eine besondere (5rwäv»ung der an vorulglichcn
erotischen Gewächsen reiche Garten des Hrn. Cajetan Zchröft
(Nr. '.'44), die große Ledergärberei (Nr. 921) in der Nähe der
untern Brücke und da5 stattliche Haus Nr. 913, an dessen
Htcllc einst die alte Schießstättc gestanken hat (siehe S. 27 l).
l) Die Karlau,
das südlichste aller Grätzer-Vorstadtviertel, hat ihren Namen
von einem Jagdschlösse dec> Herzogs Harl II. Es zalUt einen
Platz, auf welchem eine Denlsäulc steht, die von der Gemeinde
im I. l6>><) in Folge eine^ Gelübdes uir Abwendung der
Pest gegründet wurde; >l Gassen und !,i',< Häuser, worunter
sich 97 mit bloßem (lrdgeschosie, 4») mit einem, 1 mit zwei
und 1 mit drei Stockwerken befinden.
Im Mittelalter war kirr das Quartier der Juden, deren
Gemeinte nicht gering gewesen sein mag, da sie sonst nicht
leicht ihre eigenen Richter unt Obrigkeiten gcl>abt, auch nicht
so vielfältige Klagen über das auserwäliltc Volk hätten gesübrt
werden können, um K. Mar I. ;u bestimmen, es gegen die
Summe von 38M0 fl. im I. 1496 gan! aus dem ^andc ;u
verbannen. Nach Ausweisung der Juden verfiel dieses Quar-
tier, und die gaine Gegend wurde mit der Zeit so einsam,
daß Enl'enog Karl II. hier im I. l570 inmitten eines Thier«
gartens ein Jagdschloß anlegen konnte, in dem scwol er als
auch seine Witwe Maria sich zur Sommerszeit gerne durch mehre
Wochen aushielten. Jetzt ist das aliertbümliche Lustschloß un-
tcr derselben Benennung in eine große Strafanstalt (Nr.
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918