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Die Nationalgerichte des (Krätzers gehören in das
Gebiet der Mehlspeisen. Sein Heidcnstcr;, aus Buchwcizen-
mehl mit einer Zugabe von Suppe oder Milch genossen, ist
eine Speise, nährend und schmackhaft zugleich, die nicht nur
dem Armen mundet, sondern auch die Tafel des Reichen ;iert.
Sie ist lncr eben so national, als die Polcnta in Italien.
Aus demselben Stoffe bereitet, doch minder beliebt sind die
Heidentlöße (Heidcnknödl); außerdem werden der Tommerl,
(auch Ofenkater genannt, eine Art Polcnta), aus türkischem
Weizenmehl, Milch und Schmale bereitet; das türkische
Koch, eine ähnliche Speise; unter den Zuspeisen Fisolen mit
Sauerkraut auf dem Tische des gemeinen Mannes gerne ge-
sehen.
Eine Tuppe aus Mehl, Essig, Wasser und einem Fette
bereitet, und die sogenannte sauere Milchsuppc (aus sauerer
Milch und Mehl), eine Lieblingospeise des Landmanns, wird
auch vom (Kratzer häufig gcncsscn. Als diätetisches Mittel
kann sie auch Fieberkranken und selbst im Typhus empfohlen
werden. Trotz seiner Vorliebe für Mehlspeisen vergißt der Grä-
her es nicht, daß die gehörige Abwechslung mit Fleischkost am
gedeihlichsten sei. An vielen Festtagen darf es selbst an einem
doppelten Vraten nicht fehlen.
Die Eßgeschirre sind meistens aus Steingut oder gewöhn-
lichem Thone; bei Aermeren auch aus Hol;. Zinngcschirre wer-
den außer den öffentlichen Anstalten wenig gebraucht. Durch
chemische Untersuchungen, die man mit den Glasuren irdener
(Geschirre vornalnn, fand man bei einigen einen bedeutenden
und daher schädlichen Zusah von Blcigchalt; doch können der-
lei sanitätswidrigen Geschirre nur als Ausnahmen gelten, da
Bleivergiftungen, wie ich bereits erwähnte, höchst selten vor-
kommen. Die Sanitäts-Aufsichl über den Verkauf sämmllicher
Victualicn und Getränke, so wie der Essigsicdercic» liegt im
Bereiche des Armcnph'.'sikers. Es besteht eine eigene Martlord«
nung vom Jahre 17W, die zunächst vcn vier Platzaufsehern
gchandhabt wird, und in Ve^ug auf die Acnderung der Zeit-
Verhältnisse manchrr Verbesserung bedürfte. Die Preist der
Fleisch- und Bäckerwaaren werten monatlich von einer Com-
mission festgesetzt und in der Grätzer-Zeitung bekannt gemacht.
Gasthäuser sind in allen Thcilen der Stadt in Menge
vorhanden. Im Jahre 1842 zählte man nicht weniger als 2W
Gastwirthe, außerdem 36 Ncinschanken, deren Besitzer ihre
eigenen Weine ausschänkten.
Grätz
Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Titel
- Grätz
- Untertitel
- Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebung
- Autor
- Gustav Schreiner
- Verlag
- Verlag Franz Ferstl'sche Buchhandlung
- Ort
- Graz
- Datum
- 1843
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.55 x 20.25 cm
- Seiten
- 638
- Schlagwörter
- Graz, Steiermark, Stadt
- Kategorien
- Geschichte Chroniken
- Geschichte Vor 1918